Was wirklich im MSCI World Index steckt

Börse Abschwung

Bürse, Abschwung

dpa Interview zur Homebias bei DAX – Investments

In einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa), das am 13.2.2018 unter anderem bei n-tv veröffentlicht wurde, stellt Dirk Ulbricht fest, dass der DAX durchaus eine internationale Risikostreuung darstellt. Die Idee der Risikostreuung ist, dass Anleger nicht alles von der wirtschaftlichen Entwicklung in einem Land abhängig machen. Stattdessen sollten sie vielmehr möglichst global anlegen. Bei einem schlechten Konjukturverlauf in einem Land oder Weltregion, hat man so zumindest noch die Chance von einer besseren konjunkturellen Situation andernorts zu profitieren. In diesem Zusammenhang wird immer wieder  gesagt, ein DAX Investment sei diesbezüglich ungeeignet. Tatsächlich sind aber viele Deutsche Firmen, die im DAX sind, weltweit sehr stark vertreten und verdienen, wie bspw. Volkwagen, einen großen Teil ihrer Gewinne im Ausland. Der MSCI World beinhaltet deutlich mehr Aktien. Er enthält aber zu rund 60 Prozent in US-amerikanische Aktien.

ETFs können gute Renditemotoren für die Altersvorsorge oder Vermögensanlage sein

Das iff empfiehlt für die Altersvorsorge und langfristige Anlagen breite gestreute Fonds, die in Ihrer Zusammensetzung den großen Aktienindizes wie dem MSCI-World, dem Eurostoxx oder dem DAX folgen. Diese sogenannten Exchange Traded Funds, kurz ETF, sind aufgrunddessen, dass sie keine Fondsmanager benötigen, sehr günstig. Zudem gibt es wenige Fondsmanager, die sie über längere Zeiträume schlagen.

 

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„Ein Mann ist keine Geldanlage“

In einem Artikel der Frankfurter Rundschau zum Thema Vermögensaufbau für Frauen spricht Dr. Sally Peters vom iff über zielgruppenorienterte Ansprache als Notwendigkeit in einer männerdomierten Welt der Finanzprodukte und Risiken mit unseriösen Vermittlern.

Vereinzelte Anbieter halten bereits seit Jahrzehnten spezielle Angebote für Frauen vor, diese erreichen aber derzeit nur einen Bruchteil der Frauen. Immer mehr Anbieter entdecken das Potenzial und die Notwendigkeit eines spezifischen Angebots für Frauen. Der Blick von Männer und Frauen auf Finanzen nicht grundsätzlich anders. Aber: Die Lebensrealitäten von Frauen und Männer unterscheiden sich (z.B. aufgrund gesellschaftlicher Vorstellungen) häufig noch. „Die Voraussetzungen bei Frauen in Bezug auf Einkommen und Bildung sind leider immer noch andere“, so Peters.

Die Entwicklung zielgruppengerechter Angebote ist grundsätzlich als sehr positiv zu beurteilen. Dennoch sollte immer aufmerksam geprüft werden, welche Interessen die jeweiligen Anbieter verfolgen.

 

 

 

 

 

 

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Anmeldung für die Internationale Konferenz zu Finanzdienstleistungen eröffnet.

Am 23./24. Mai 2019 findet die diesjährige Internationale Konferenz zu Finanzdienstleistungen im Rudolf-Steiner-Haus Hamburg zum Thema „Transparenz – Rolle rückwärts oder Reform?“ statt.

Finanzprodukte werden immer komplexer, der Bedarf an prägnanter Verbraucherinformation wird immer größer. Webanbieter wie Vergleichsportale, Roboadvisor und Informationsportale machen das Leben dabei nur scheinbar leichter. Wie objektiv tatsächlich verglichen wird, wie eine Anlageentscheidung wirklich zu Stande kommt und wie neutral eine Empfehlung sind, ist häufig nicht ohne Weiteres zu beantworten. Die bequeme Umsetzung muss um eine adressaten- und produktgerechte, bequeme Risikoaufklärung erweitert werden. Zudem veranlassen die aktuellen gesetzlichen Regelungen die Anbieter zu einer kostspieligen Informationsflut, die die Verbraucherinnen und Verbraucher überfordert. Sollte der Anbieter nicht die Verantwortung dafür übernehmen, welche Risiken für seine Kunden die wesentlichen sind? Ist das Ziel, Risiken auf einem Blatt für die Vielzahl an unterschiedlichen Produkten einheitlich darstellen zu wollen, möglicherweise von Vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen? Muss es eine aktive Aufsicht geben, die auch den Verkauf testet?

Sichern Sie sich bis zum 15.02.19 Ihr Early-Bird-Ticket. Anmeldungen für die Konferenz sind ab sofort möglich: https://iff-hamburg.us16.list-manage.com/subscribe?u=d5cc85f3e4de4b7e07d199099&id=29b842747f

Die jeweils aktuelle Fassung unseres Programms finden Sie ab sofort unter: https://www.iff-hamburg.de/iff-konferenz-2019/

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Melanie Poldrack unter +49 40 309691 23 oder schreiben Sie eine Mail an melanie.poldrack@iff-hamburg.de.

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iff-Überschuldungsschlaglicht 2019/10

Falsche Altersvorsorge führt Selbstständige in den Ruin

10. Schlaglicht der Überschuldung von Brigitte Ommeln, Finanzfachwirtin (FH) und Wirtschafts- und Unternehmensberaterin erschienen

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Altersvorsorge führt Selbstständige in den Ruin, 10. iff -Überschuldungsschlaglicht, Brigitte Ommeln

Das 10. Schlaglicht zur Überschuldung von Brigitte Ommeln in der Reihe des instituts für finanzdienstleistungen e.V. (iff) in Kooperation mit der Stiftung Deutschland im Plus beschäftigt sich mit der Altersabsicherung Selbstständiger. Ommeln stellt dabei fünf zentrale Aspekte rund um die finanzielle Altersabsicherung von Selbstständigen pointiert dar. Ihr Fazit: Selbstständige sind in Zeiten guten Verdienstes in Hinblick auf ihre Altersvorsorge teilweise sogar überversorgt. Im Falle finanzieller Schwierigkeiten – ausgelöst durch Probleme wie beispielsweise Krankheit, Scheidung, unternehmerische Fehlentscheidungen oder Steuernachforderungen – kann es dazu kommen, dass sie die Versicherungen nicht mehr bedienen können. Dies führt schlimmstenfalls zur Auflösung der Absicherung. Personen, die alleine selbstständig sind, fehlt häufig die Zeit, sich mit den komplexen Produkten der Altersversorge auseinanderzusetzen. Problematisch sind fehlendes Wissen und eine oftmals fehlende produktunabhängige Beratung. In der Folge wird häufig auf gut gemeinte Tipps gesetzt, die sich dann im Nachhinein als falsche Entscheidung herausstellen können. Ommeln führt aus, welche Produkte sich für eine Altersabsicherung Selbstständiger eignen und geht hierbei auf mögliche Stolperfallen ein. Zusammenfassend stellt sie politische Forderungen auf, die auf derzeitige Lücken in der Altersvorsorge verweisen und Lösungsperspektiven aufzeigen. Sie verweist dabei insbesondere auf die Notwendigkeit einer kostengünstigen und unabhängigen Beratung für Selbstständige sowie deren Entlastung von Sozialabgaben.

institut für finanzdienstleistungen e. V. (iff)

Das institut für finanzdienstleistungen e. V. (iff) ist ein gemeinnütziges Forschungsinstitut, das seit über 30 Jahren im Auftrag verschiedener öffentlicher Auftraggeber auf nationaler und internationaler Ebene, Verbraucherverbänden und auch von privatwirtschaftlichen Unternehmen forscht. Das iff setzt sich seit seiner Gründung für den Zugang zu Finanzdienstleistungen ein und konzentriert sich vor allem auf finanziell verletzliche Verbraucher, insbesondere auf Alleinselbständige sowie überschuldete Verbraucher.

Überschuldungsschlaglichter

Die Überschuldungsschlaglichter des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Kooperation mit der Stiftung Deutschland im Plus greifen aktuelle Fragestellungen der Überschuldung in Deutschland auf und bieten ausgewiesenen Fachleuten ein Forum.
Die komplette iff Reihe „Schlaglicht der Überschuldung“ finden Sie hier. Angelehnt sind sie an den jährlich erscheinenden iff-Überschuldungsreport.

 „Deutschland im Plus“ – Die Stiftung für private Überschuldungsprävention

Die Stiftung „Deutschland im Plus“ engagiert sich für die private Überschuldungsprävention in Deutschland. Zu unseren Aufgaben zählen Bildungsmaßnahmen für Schüler, Bereitstellung von Informationen, Forschungsförderung sowie konkrete Beratung für Hilfesuchende. Unsere Arbeit fokussiert sich auf folgende Themen: finanzielle Bildung, Hilfe bei Schulden, Forschung.

Ansprechpartnerin

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Sally Peters



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Wie die Autofinanzierung zur Überschuldungsfalle werden kann – ein Feldversuch

Kurzbericht: Autokredittest VW Golf IV Gebrauchtwagen

autofinanzierung führt in die überschuldung - iff testkauf
autofinanzierung führt in die überschuldung – iff testkauf

Worum gehts?

Hamburg, 16.01.2018 – Das Bündniss gegen Wucher feiert einjährigen Geburtstag. Zum diesem Anlass hat das iff testweise ein Finanzierungsgespräch für einen Gebrauchtwagen bei einem VW Händler durchgeführt. Autofinanzierungen sind sehr häufig und eine mangelhafte Beratung kann schnell zur Überschuldungsfalle werden. Beim Autokauf steht das Fahrzeug im Vordergrund. Die Aufmerksamkeit bei der Finanzierung ist dagegen meist gering. Das kann die Kosten deutlich in die Höhe treiben.

  • Eine Beratung fand tatsächlich nicht statt
  • Ein möglicher Wucher kann sich im Preis verstecken
  • Der Kreditschutzbrief war ohne Anzahlung Voraussetzung für den Kredit
  • Mit Kreditschutzbrief waren die Zinsen 80 Prozent höher
  • Eine 20-prozentige Abschlusszahlung kann zur bösen Überraschung werden

Eine Beratung fand tatsächlich nicht statt

Das Kreditgespräch fand tatsächlich nicht statt. Der monatlich verfügbare Betrag spielte bei dem Gespräch überhaupt keine Rolle. Auch sich abzeichnende Veränderungen wie die Geburt eines Kindes waren nicht relevant. Der Kunde bekam erst auf deutliche Nachfrage aufgezeigt, inwieweit sich die Gesamtbelastung und die Ratenhöhe über die Laufzeit an seine Bedürfnisse anpassen lassen.

Der Kreditschutzbrief war ohne Anzahlung Voraussetzung für den Kredit

Hätte der Kunde keine 20 Prozent Anzahlung leisten können, wäre er gezwungen gewesen, einen Kreditschutzbrief (Restkreditversicherung) abzuschließen. Das, unabhängig davon, dass bereits eine entsprechende Absicherung aufgezeigt wurde. Der Kreditschutzbrief erhöhte den ausgewiesenen Effektivzins um 80 Prozent.

Der Wucher versteckt sich im Preis

Beim Autokauf kann sich der Wucher im Preis verstecken. So kann der Preis bei einer Finanzierung deutlich über dem Barpreis liegen. Der „Barzahlungsrabatt“ verdeckt so einen Teil der Kreditkosten. Das macht es so schwer, einen möglichen Wucher überhaupt auszumachen.

Eine 20-prozentige Abschlusszahlung kann zur bösen Überraschung werden

Bei Autofinanzierungen handelt es sich nicht selten um sogenannte Ballonfinanzierungen: Am Ende der Kreditlaufzeit ist ein wesentlicher Teil des Fahrzeugwertes auf einen Schlag zu Zahlen. Die zu zahlende Schlussrate, dass heißt die um diesen Betrag erhöhte (Ballon-)Rate, kann zur bösen Überraschung werden.

Autofinanzierungen sind sehr häufig

Laut einer IFA Studie vom März 2017 werden 30 Prozent der Autokäufe in Deutschland finanziert (9 Prozent werden geleast). Dabei steht im Autoland Deutschland das Fahrzeug im Vorder-, der Kredit und die Kreditberatung hingegen meist im Hintergrund. Wird die finanzielle Belastbarkeit der Haushalte ignoriert, kann dies insbesondere bei Menschen mit knappen frei verfügbaren Mitteln in eine Überschuldungssituation führen. In Deutschland sind laut Schuldenatlas Creditreform bereits sieben Millionen Menschen überschuldet, Tendenz steigend. Bisher fehlt eine breite empirische Erhebung zum Autokreditmarkt.

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So bessern Sie mit Ihrem Haus die Rente auf

Die Immobilienrente erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Dass sie noch ein Nischenprodukt ist, muss niemanden abschrecken, man muss aber die wichtigsten Merkmale gut durchdenken

Die Welt berichtete am 7.12.2018 ausführlich zu Immobilienrenten (zum Artikel). Die Rente aus Stein, die in anderen Ländern bereits seit Jahrzehnten etabliert ist, ist in Deutschland immernoch die Große Ausnahme. Lediglich zwei Anbieter sind deutschlandweit aktiv. „Dennoch, wenn man die wesentlichen Regeln im Blick behält und sich vor allem unabhängigen Rat sowohl zur Wertermittlung der eigenen Immobilie als auch bei der Ausgestaltung des Vertrages dazu holt, braucht man sich nicht abschrecken lassen.“ sagt Dirk Ulbricht, Direktor des gemeinnützigen institut für finanzdienstleistungen e.V., Hamburg. Als Hilfestellung hat das iff eine Broschüre für Verbraucher herausgebracht, sie sollen einen Überblick über die wichtigsten Punkte geben. Mehr zu Immobilienrenten

 

Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages zum Thema „Lehren aus der Finanzkrise“ am 10.12.2018

Höchste Zeit für eine Kontrolle des Finanzvertriebs, online und offline

Zusammenfassung: Trotz der Regulierungsbemühungen erhalten viele Verbraucher fehlerhafte, interessengeleitete Beratung bei Anlage- und Kreditentscheidungen. Das schwächt die notwendige private Vorsorge und erhöht das Überschuldungsrisiko, immer mehr Menschen werden abgehängt. Notwendig ist eine Marktaufsicht des Finanzvertriebs, online und offline. Um wirklich relevante Themen anzugehen, muss sich diese Aufsicht auf noch zu erstellende Datenerhebungen über die Struktur und Entwicklung des Verbraucherfinanzsektors stützen.

Trotz aller Bemühungen, den Finanzmarkt zu regulieren, ist ein Kernproblem geblieben. Es wird nicht ausreichend kontrolliert, wie den Verbrauchern Finanzprodukte verkauft werden. Das betrifft sowohl den Offline- als auch den Online-Vertrieb. In beiden Fällen weiß der Kunde aufgrund der Komplexität von Finanzprodukten häufig nicht, was eine gute Beratung überhaupt ausmacht und auf was er achten muss.[1] Das schafft ein erhebliches Informationsungleichgewicht zu Lasten des Verbrauchers. Er ist auf die Unabhängigkeit und Objektivität des Beraters bzw. Online-Portals angewiesen. Die Firmen, die Finanzprodukte vertreiben, haben aber eine Gewinnerzielungsabsicht, die im offensichtlichen Widerspruch zur notwendigen Neutralität bei der Beratung steht.

Auch nach der Lehmann-Pleite werden Anleger regelmäßig, wie zuletzt bei P&R, geprellt und offensichtlich falsch beraten.[2] Schlimmer aber noch wiegen die Mängel in der Kreditberatung, bei der nicht selten unnötige Koppelprodukte wie Restschuldversicherungen die monatliche Belastung, gerade von finanziell verwundbaren Haushalten, erhöhen und eine Rückführung erschweren.[3] Sogenannte Nullprozentfinanzierungen, bspw. von Einrichtungsgegenständen und Elektronikartikeln führen junge, unerfahrene Verbraucher aufs Glatteis. Der schnelle, immer häufiger medienbruchlose, Abschluss von Finanzdienstleistungen tut sein Übriges. Die „digitale Beratung“, die bequem und zügig von statten gehen soll, ist häufig lückenhaft und letztlich riskant für Verbraucher.

So wundert es wenig, dass es trotz eines langanhaltenden konjunkturellen Aufschwungs immer mehr Überschuldete in Deutschland gibt, mittlerweile sind laut Creditreform-Daten sieben Millionen Erwachsene in dieser Situation.[4] Das wiegt umso schwerer, als dass der Weg aus den Schulden in Deutschland so mühsam ist wie in kaum einem anderen Land. In der überwiegenden Zahl dauert es sechs Jahre Wohlverhaltenszeit, bis Überschuldete nach einem Restschuldbefreiungsverfahren wieder vollständig am Waren- und Dienstleistungsverkehr teilnehmen können. Die Verkürzungsmöglichkeiten auf fünf bzw. drei Jahre setzen Eigenmittel voraus, die Überschuldete gerade nicht haben. Leider nehmen immer weniger Überschuldete die Restschuldbefreiung, das sehr starke wirtschaftliche Einschränkungen mit sich bringt, überhaupt erst auf sich. Seitdem das Pfändungsschutzkonto die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr auch in der Überschuldung ermöglicht, haben sich viele Betroffene dauerhaft mit ihrer Situation abgefunden und ihre finanzielle Zukunft abgeschrieben. Damit sind sie aber von einer vollen gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, die eine wirtschaftliche Teilhabe voraussetzt. Das birgt auch den Nährboden für zukünftige Ausgrenzung. Verhältnismäßig häufig handelt es sich bei den Überschuldeten um Familien mit Kindern, insbesondere alleinerziehenden Müttern.[5] Die Chancen von Kindern hängen nicht zuletzt von den Möglichkeiten ab, die ihnen ihre Eltern bieten können.[6]

Verkauf ist nicht bloße Informationsaufnahme und -weitergabe. Nicht nur auf dem Gebrauchtwagenmarkt werden alle Register gezogen. Ja, der Informationsaustausch, allerdings in beiden Richtungen, steht am Anfang einer bedürfnisorientierten Beratung. Im persönlichen Gespräch sollte es idealerweise vor allem darum gehen, das passende Produkt für den Kunden zu finden. Am Anfang einer solchen Beratung sollte daher die gründliche Erfassung der für diesen Zweck notwendigen Informationen stehen. Auf der anderen Seite sollte der Kunde die wesentlichen Informationen erhalten und erläutert sowie die Alternativen erklärt bekommen, um eine informierte Entscheidung treffen zu können.

Was ist aber, wenn der Berater wichtige Informationen weglässt und anderen, werblichen Informationen ein größeres Gewicht im Gespräch einräumt? Was, wenn der Abschluss eines Produkts mit Druck oder Zwang daran geknüpft wird, ein anderes, nicht gewünschtes Produkt zusätzlich abzuschließen? Dabei gehen Berater teilweise auch darüber hinweg, dass der Kunde bereits ein Produkt abgeschlossen hat, das dem selben Zweck dient.[7] Was, wenn die Risikoanalyse kleingehalten wird, weil im Zweifel nur der Kunde die Folgen davon zu tragen hat? Regulierung ist nur so gut, wie ihre Ansprache im Verkaufsgespräch. Ein Berater kann, wenn er möchte, wichtige Informationspflichten als überflüssige „EU-Banane“ abtun, der man eben pflichtschuldig Genüge leisten müsse. Die Verträge und schriftlichen Dokumentationen geben nicht notwendigerweise wieder, wie sie zu Stande gekommen sind.

Beim Onlinevertrieb nimmt die Einflussnahme andere Formen an, vom Ergebnis her ist sie aber im Wesentlichen gleich. Hier spielt die Art der Darstellung eine wesentliche Rolle. So kann schon der einfache Umstand, dass das Auge aufgrund des Leseflusses oben links im Bildschirm angeordnete Informationen zuerst wahrnimmt, bereits die Aufmerksamkeit auf oder von einer bestimmten Information weglenken. Auch sind Informationen, die erst über mehrere Schritte zugänglich sind, für viele Kunden effektiv nicht vorhanden. Selbst die „Honorarberater“ des Internets, die Vergleichsportale, haben sich hinsichtlich der Transparenz und Objektivität als Wolf im Schafspelz erwiesen.[8]

Wer aber schützt die Verbraucher, die in der Regel nicht erkennen, wenn sie schlecht beraten oder gar betrogen werden? Zudem sind verwundbare Verbraucher oft froh, überhaupt einen Kredit zu erhalten und befinden sich in einer Position der Schwäche. Sie sind es, die häufig das nehmen müssen, was sie angeboten bekommen. Die Produkte selbst zu testen, greift zu kurz. Entscheidend ist, ob das Produkt zum Kunden passt. Abwarten, bis Missstände häufig genug bei Verbraucherschützern, Ombudsleuten oder letzten Endes bei Schuldenberatungen auftauchen, lässt viele Verbraucher unnötig Opfer schlechter Beratung werden. Um sie vor vermeidbaren finanziellen Notlagen zu schützen, bedarf es einer Offensichtlichkeit, die es in anderen Bereichen des Verbraucherschutzes, wie dem Lebensmittelbereich, längst gibt: Regelmäßige Kontrollen.

Aufsichtsbehörden dürfen sich nicht damit zufriedengeben, dass die Verbraucher Fehlentwicklungen an sie herantragen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die den Vertrieb, online wie offline, regelmäßig untersuchen. Dabei sollten die Behörden sich vor allem auf die Produkte konzentrieren, die häufig vertrieben werden und auch das Aufkommen neuer Produkte frühzeitig begleiten. Das setzt voraus, dass die statistischen Daten über Finanzprodukte, die an Verbraucher vertrieben werden, vollständiger erhoben, transparenter aufbereitet und auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Häufig genug ist unklar, wie genau sich die Vertriebszahlen offensichtlich millionenfach vertriebener Finanzdienstleistungsprodukte, wie bspw. die der Restschuldversicherungen, entwickeln geschweige denn wie die Marktstruktur ist oder was konkret vertrieben wird.[9] Ohne Daten aber, ist eine sinnvolle Vertriebskontrolle nicht möglich. Eine sinnvolle Aufsicht muss sich auf die relevanten Produkte konzentrieren.

Dr. Dirk Ulbricht

 

  1. Siehe den „Weltbildungsbericht 2019“ der UNESCO, https://www.unesco.de/sites/default/files/2018-11/Deutsche%20Kurzfassung%20GEMR%202019%20-%20FINAL.pdf.
  2. Siehe, z.B., https://www.finanzwende.de/themen/pr-skandal/ für weitere Informationen.
  3. Von Seiten der Verbraucherzentrale wurde auch festgestellt, dass sie regelmäßig ohne Bedarfsprüfung verkauft werden. So werden bestehende Versicherungen ignoriert und mit den Restschuldversicherungen doppelt, d.h., überversichert. Siehe „Missstände bei der Restkreditversicherung“, Verbraucherzentrale Sachsen und Verbraucherzentrale Hessen, 2015: http://www.verbraucher.de/restkreditversicherungen-bericht-2015, Abruf: 15.5.2017.
  4. „SchuldnerAtlas Deutschland 2018“, Creditreform. https://www.creditreform.de/aktuelles/wirtschaftsforschung/schuldneratlas-deutschland.html
  5. Peters und Ulbricht, 2018, „Iff Überschuldungsreport 2018“, institut für finanzdienstleistungen, Hamburg. https://www.iff-hamburg.de/wp-content/uploads/2018/11/%C3%9Cberschuldungsreport-2018.pdf.
  6. „Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung“, 2018, Deutsche Bundesregierung, https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Berichte/5-arb-kurzfassung.pdf;jsessionid=488923383F0E42EF851C275D7D3C463C?__blob=publicationFile&v=4.
  7. Siehe Fußnote 4.
  8. Vergl. Studie zur Bewertung des Rankings von Vergleichsportalen in Bezug auf Finanzdienstleistungsprodukte | Institut für Finanzdienstleistungen im Auftrag des vzbv, 2017,, https://www.vzbv.de/pressemitteilung/studie-zu-finanzvergleichsportalen-unter-falscher-flagge.
  9. Ulbricht, Dirk, 2017, „Effizienter Verbraucherschutz muss sich auf wichtige Themen konzentrieren“, https://www.iff-hamburg.de/2017/06/26/news-49149/.

Antwort auf Gutachten von Prof. Walter Krämer im Auftrag des BDIU

Antwort auf Gutachten von Prof. Walter Krämer im Auftrag des BDIU

27.11.2018, Dr. Dirk Ulbricht, Institut für Finanzdienstleistungen Hamburg e.V. (iff)

In der kommenden Ausgabe der Zeitschrift für das Forderungsmanagement (ZfM) ist die Langfassung eines von Prof. Dr. Walter Krämer von der Universität Karlsruhe erstellten Gutachtens zur Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) „Evaluierung der inkasso-rechtlichen Vorschriften des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken“ (iff 2018) erschienen (Krämer 2018). Grundlage des folgenden Textes ist eine vorab vom Auftraggeber, dem Bund Deutscher Inkassounternehmen e.V. (BDIU) zur Verfügung gestellte Version des Gutachtens.

Krämer geht darin in drei Abschnitten auf die Studienergebnisse ein:

  1. Momentaufnahmen versus Trends
  2. Verzerrte Stichproben
  3. Suggestive Fragebögen

Fazit: Herr Krämer konzentriert sich auf Punkte, die gegenüber dem, durch die Studie belegten, bestehenden Handlungsbedarf nachrangig erscheinen und übersieht zu dem, dass diese nicht Bestandteil des (im Gutachten beschriebenen) Auftrages sind. Zudem begutachtet er beinah ausschließlich die offensichtlichen „Schwachpunkte“, d.h. die Ergebnisse, die bereits von den Autoren des iff-Berichts mit Einschränkungen versehen waren.

Ein wesentlicher Kritikpunkt, der Mangel an Repräsentativität, macht er konkret an dem Fehlen einer repräsentativen Stichtagserhebung fest. Diese ist tatsächlich aber bereits in der Studie enthalten und wurde scheinbar von Krämer übersehen.

Zudem kritisiert Krämer das Nutzen von Suggestivfragen mit dem Hinweis, Alternativen, die mit „Ja“ zu beantworten seien, würden tendenziell eher gewählt. Bei seinen Ausführungen lässt er außer Acht, dass es sich dabei nicht um eine Meinungsumfrage an die Allgemeinheit, sondern um eine Erhebung bei Fachexperten handelt und diese, im Übrigen nicht durch Quellen belegten, Erkenntnisse nicht übertragbar sind.

Vollständige Einschätzung des Gutachtens von Walter Krämer im Auftrag des Bund Deutscher Inkassounternehmen e.V. BDIU

Blackbox Schufa: Warum ist ihr Einfluß so groß und was kann der Verbraucher tun?

Über das undurchsichtige Geschäftsmodell der Schufa berichtete Dirk Ulbricht am 29. November 2018, 18:08 Uhr in einem Interview auf Deutschlandfunk Kultur in der Sendung Studio 9. Oft sind die Gründe für Negativbewertungen der einzelnen Verbraucher für diese nicht ersichtlich und lassen nur Vermutungen zu, haben aber teilweise weitreichende Konsequenzen. Die Schufa erhebe zu wenige Daten um ein realistisches Scoring abzubilden, nennt Dirk Ulbricht als eines der Kernprobleme und fordert Regulierungen.

iff 2019 – Terminänderung auf den 23./24.5.2019 nötig

Wir verschieben den Konferenztermin, wir hatten Fronleichnahm übersehen

Es hat uns kalt erwischt – trotz aller Mühen, alle wichtigen Daten auf dem Schirm zu behalten, ist uns etwas Einfaches entgangen: Ein Feiertag, Fronleichnam. Daher wird es nicht bei dem bisher schon verkündeten Termin im Juni 2019 bleiben können. Damit auch alle Interessenten aus Süddeutschland, d.h. Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westphalen, Rheinland-Pfalz und Saarland teilnehmen können, werden wir die Konferenz nun am 23. und 24. Mai 2019 durchführen. Wir bitten um Nachsicht und freuen uns auf Ihre zahlreiche Teilnahme.