Bundesgerichtshof: Für Masseninkasso können nur Kosten in Höhe einer 0,3-fachen Rechtsanwaltsgebühr verlangt werden

Der 4. Strafrechtssenat des BGH hat sich in einem Revisionsurteil zur Frage einer möglichen Betrugs-Strafbarkeit sehr ausführlich und differenziert mit verschiedenen Aspekten der Inkassotätigkeit beschäftigt,... → weiterlesen

Inkassowirtschaft bringt Verhaltenskodex für das Forderungsmanagement auf den Weg

„Die im Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) organisierten Mitglieder haben sich in Berlin auf die erste Fassung eines gemeinsamen Verhaltenskodex verständigt. Mit großer Mehrheit stimmte die Mitgliederversammlung des BDIU in einer mehr als siebenstündigen Debatte für den ersten Entwurf eines Code of Conduct und verständigte sich auf die nächsten Schritte zur weiteren Erarbeitung dieses Regelwerks.

Gleichzeitig wählten die BDIU-Mitglieder die langjährige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries zur neuen Ombudsfrau des Branchenverbandes, der rund zwei Drittel der am Markt aktiven Unternehmen und über 90 Prozent des Marktvolumens vertritt. Die Sozialdemokratin Zypries, bis vor einem Jahr Bundeswirtschaftsministerin, wurde einstimmig in ihr neues Amt gewählt. (…)

Mit dem Kodex wollen die Rechtsdienstleister klare und verständliche Regeln für die Inkassotätigkeit etablieren. Der Code of Conduct soll bereits greifen, weit bevor ein Inkassounternehmen erstmalig mit einem Schuldner in Kontakt tritt.“

Quelle und mehr: Pressemitteilung des BDIU

Die Story im Ersten: Milliardengeschäft Inkasso

Eine neue Doku von Michael Richter zu Inkasso

Vor gut einem Jahr wurde die iff Studie zur Evaluation des Inkassogesetzes veröffentlicht. Grimme Preis Träger Michael Richter hatte bereits im letzten Jahr über die Inkassobranche und die Evaluation berichtet. Heute Abend um 22:45 wird nun eine weitere Dokumentation über die Branche, „Die Story im Ersten: Milliardengeschäft Inkasso„, in der das Geschäftsmodell der Branche näher beleuchtet wird, ausgestrahlt. Nach Informationen des Branchenverbandes Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V (BDIU) wird mit Inkasso jährlich über 5 Milliarden Umsatz erzielt. Unter anderem kommt hier Dirk Ulbricht, Leiter des iff und Co-Autor der Evaluation des Inkassogesetzes zu Wort.

Worum geht es?

Die Branche steht wegen hoher Kosten, die sie von den Schuldnern aufnimmt bereits seit längerem in der Kritik. Eine Gesetzesänderung, die einen Kostendeckel bewirken sollte, hat tatsächlich zu einer regelmäßigen Ausweitung der Kosten bis hin zu dieser Grenze bewirkt. Auch einfache Anschreiben können so bei Kleinstbeträgen zu Kosten von 70 Euro führen. Auch wird scheinbar immer noch mit Strafanzeigen und ähnlichem gedroht, ohne, dass das tatsächlich so ohne weiteres möglich wäre. Die Schuldner, die häufig wegen kleinerer Beträge nicht zu Ihrem Anwalt gehen möchten, zahlen lieber.

Zweite Ernte

Zudem wird festgestellt, dass es zu Doppelbeauftragungen kommt. Statt lediglich entweder einen Anwalt oder ein Inkassounternehmen zu beauftragen, wird häufig effektiv von beiden Möglichkeiten Gebrauch gemacht. Das verursacht zusätzliche Kosten, ohne, dass damit die Rückzahlungsquote nennenswert verbessert wird. Kritisch ist das vor allem dann zu sehen, wenn die Firmen nicht mehr selber mahnen, sondern diese Aufgabe an externe aber zur Unternehmensgruppe gehörende Inkassounternehmen abgeben. Dann können nicht nur die geringen Aufwände des Inhouse-Inkasso geltend gemacht werden, sondern die deutlich höheren Kosten des „externen“ Inkassounternehmens geltend gemacht werden. So kann Mahnen ein ertragreiches Geschäft werden.

Weitere Informationen finden sich auch bei Inkassowatch.

 

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Bundestagsdebatte über Inkasso und die Höhe der Kosten

Gestern hat der Bundestag über zwei Anträge zum Inkasso (Schutz von Verbrauchern vor unverhältnismäßigen Inkassoforderungen“ (19/8276), AfD, sowie „Unseriöses und überteuertes Inkasso eindämmen“ (19/6009), Bündnis 90/Die Grünen ) nach erster Lesung zusammen zur weiteren Beratung in den federführenden Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz überwiesen. – Quelle und mehr: bundestag.de

Antwort auf Gutachten von Prof. Walter Krämer im Auftrag des BDIU

Antwort auf Gutachten von Prof. Walter Krämer im Auftrag des BDIU

27.11.2018, Dr. Dirk Ulbricht, Institut für Finanzdienstleistungen Hamburg e.V. (iff)

In der kommenden Ausgabe der Zeitschrift für das Forderungsmanagement (ZfM) ist die Langfassung eines von Prof. Dr. Walter Krämer von der Universität Karlsruhe erstellten Gutachtens zur Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) „Evaluierung der inkasso-rechtlichen Vorschriften des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken“ (iff 2018) erschienen (Krämer 2018). Grundlage des folgenden Textes ist eine vorab vom Auftraggeber, dem Bund Deutscher Inkassounternehmen e.V. (BDIU) zur Verfügung gestellte Version des Gutachtens.

Krämer geht darin in drei Abschnitten auf die Studienergebnisse ein:

  1. Momentaufnahmen versus Trends
  2. Verzerrte Stichproben
  3. Suggestive Fragebögen

Fazit: Herr Krämer konzentriert sich auf Punkte, die gegenüber dem, durch die Studie belegten, bestehenden Handlungsbedarf nachrangig erscheinen und übersieht zu dem, dass diese nicht Bestandteil des (im Gutachten beschriebenen) Auftrages sind. Zudem begutachtet er beinah ausschließlich die offensichtlichen „Schwachpunkte“, d.h. die Ergebnisse, die bereits von den Autoren des iff-Berichts mit Einschränkungen versehen waren.

Ein wesentlicher Kritikpunkt, der Mangel an Repräsentativität, macht er konkret an dem Fehlen einer repräsentativen Stichtagserhebung fest. Diese ist tatsächlich aber bereits in der Studie enthalten und wurde scheinbar von Krämer übersehen.

Zudem kritisiert Krämer das Nutzen von Suggestivfragen mit dem Hinweis, Alternativen, die mit „Ja“ zu beantworten seien, würden tendenziell eher gewählt. Bei seinen Ausführungen lässt er außer Acht, dass es sich dabei nicht um eine Meinungsumfrage an die Allgemeinheit, sondern um eine Erhebung bei Fachexperten handelt und diese, im Übrigen nicht durch Quellen belegten, Erkenntnisse nicht übertragbar sind.

Vollständige Einschätzung des Gutachtens von Walter Krämer im Auftrag des Bund Deutscher Inkassounternehmen e.V. BDIU