Fachtag 22.11.2019 – Finanzielle Bildung tut not!

Einladung zum Fachtag 2019

Finanzielle Bildung tut not! Aber wer soll sie anbieten und wie soll das geschehen?

Freitag, 22. November in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Berlin, Hiroshimastr. 12-16, 10785 Berlin-Tiergarten

 Das aktuelle Programm finden Sie hier. Melden Sie sich hier an.

 

Thema des Fachtages

Die finanzielle Bildung in Deutschland hat derzeit, trotz zahlreicher guter Ansätze, immer noch einen geringen Stellenwert. Da wundert es nicht, wenn internationale Vergleichsstudien zeigen, wie schlecht es um die finanzielle Bildung in Deutschland bestellt ist. Hierbei waren wohlgemerkt nicht die finanzmathematischen Kenntnisse der Testteilnehmer gefragt. Es ging um das grundsätzliche Verständnis finanzieller Zusammenhänge. Für die Mitglieder des Präventionsnetzwerkes Finanzkompetenz stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie hoch eigentlich der tatsächliche Bedarf an nachhaltiger finanzieller Bildung in Deutschland ist, und wer für die bedarfsdeckende “Versorgung“ letztlich verantwortlich ist?

Finanzielle Bildung in Deutschland ist, wie Bildung allgemein, Ländersache. Das Ausmaß und die Qualität sind dementsprechend je nach Bundesland unterschiedlich. Unterschiedliche private Initiativen haben sich seit Jahren zum Ziel gesetzt, diese Lücke zu schließen. Die Qualität ist dabei sehr unterschiedlich. Während Schulbücher von den zuständigen Ministerien intensiv geprüft werden, entfällt eine solche Prüfung bei Unterrichtsmaterial privater Anbieter. Das heißt die Materialien werden oftmals weder auf ihre Inhalte noch auf ihre Didaktik hin überprüft.

  • Wie kann finanzielle Bildung in den Bundesländern besser gefördert werden?
  • In welchem Rahmen können sich die privaten Initiativen einbringen, um gemeinsam mit den staatlichen Angeboten eine optimale finanzielle Bildung sicher zu stellen?
  • Welche Rahmenbedingungen müssen gelten, damit finanzielle Bildung nicht die falschen Anbieter in einen ungeschützten Bereich eintreten lässt?
  • Wie und von wem können Standards geschaffen werden?
  • Wie kann eine kritische Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Initiativen stattfinden?
  • Welche Rolle spielt hierbei das Thema Flucht und Migration?
  • Können spezielle Angebote für die Zielgruppe vorgehalten werden?
  • Sind vermeintliche Online Verbraucherschützer selbst Anbieter?

Der Fachtag 2019 wird freundlicherweise vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband gefördert.

Dr. Dirk Ulbricht (Direktor iff) ist seit Oktober im Vorstand vom Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz.  Weitere Mitglieder im Vorstand sind Dr. Birgit Happel, Michael Baur, Christiane Heger sowie Marius Stark (Vorsitz), Thomas Raddatz (Stellvertretender Vorsitzender) und Franz Thien (Finanzen).

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Armut ist weiblich

Austausch über Vermögensaufbau und Altersvorsorge

Anke Pauli hat mit der Onlinecommunity „Geldfreundinnen“ eine Plattform geschaffen, wo sich Frauen untereinander und mit verschiedenen Finanzexpertinnen über Geldfragen austauschen können. Die Gründerin möchte Frauen ermutigen, sich für die eigene Zukunft finanziell abzusichern und Hemmungen angesichts vermeidlicher komplizierter Finanzfragen abzubauen.

Gender-Pay-Gap wirkt sich auch auf Rentenzahlungen aus

Der Durchschnittsverdienst von Frauen liegt im Durchschnitt 21 Prozent unter den von Männern. Die Ursachen liegen darin, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, selten Führungspositionen bekleiden und bundesweit fast jede zweite Frau in Teilzeit arbeitet. Diese Einkommenslücke wirkt sich auch auf die Rentenansprüche aus. Es sind daher vorrangig Frauen, die von Altersarmut betroffen sind.

Je höher die Rendite, um so höher das Risiko

Neben einen Finanzpolster für unvorhergesehene Ereignisse, sollen sich Frauen einen Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben verschaffen. Das klassische Haushaltsbuch oder eine App können dabei unterstützen. Eine Beratung bei der Rentenversicherung ist sinnvoll, um anhand der zu erwartenden Rente die Höhe der Versorgungslücke zu bestimmen. Bei dem Vermögensaufbau gilt es das sogenannte magische Dreieck aus Rentabilität, Sicherheit und Stabilität zu berücksichtigen. Passiv gemanagte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (EFTs) eignen sich gerade für Anfängerinnen als Anlageform.

Kluge Entscheidungen treffen

Sich gründlich zu informieren sei die Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Geldanlage, sagt Sally Peters, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen. „Nur wer Chancen und Risiken kennt, kann kluge Entscheidungen treffen.“ Mit Blick auf die zu erwartende Rentenlücke müssen daher Frauen die Verantwortung für ihre eigenen Finanzen übernehmen. „Finanzielle Bildung gewinnt an Bedeutung und sollte schon an der Schule beginnen und in allen Bundesländern im Lehrplan verankert werden“, so die Finanzexpertin. Ebenso wichtig seinen aber auch Verbraucherschutz und Finanzmarktregulierung. „Es ist beides notwendig: bessere Rahmenbedingungen und die Fähigkeit, kompetente persönliche Entscheidungen zu treffen.“

Geld-Freundinnen-Tag am 22. Juni

Um Frauen in diesen Punkten zu unterstützen, hat Anke Pauli für den 22. Juni einen „Geldfreundinnen“-Tag organisiert,  bei dem sich Frauen miteinander informieren, austauschen und vernetzen können. Sally Peters wird dort u. a der Frage  „Warum Armut weiblich ist“ nachgehen.

Der vollständige Artikel im Hamburger Abendblatt

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„Die Ausgaben im Blick“

Dr. Sally Peters vom iff spricht in einem aktuellen Artikel der Frankfurter Rundschau zum Thema Haushaltsbuch darüber, wie ein Haushaltsbuch bei der finanziellen Planung unterstützen kann. Die Erfassung kann dabei mit Zettel und Stift, Excel Tabelle oder durch eine App erfolgen.  „Wie man sich den Überblick verschafft und in wie viele unterschiedliche Kategorien man die Ausgaben einteilt“, da müsse „jeder seinen eigenen Weg finden“, so Peters. Sie weist darauf hin: „Schon wenn man mehrmals am Tag sein Handy zücken muss, um wieder eine Summe nachzutragen, wird man sich bewusst, wie sehr sich die vermeintlich kleinen Ausgaben über die Zeit läppern.“

Der Überblick über die Ausgaben ist wichtig, um zu prüfen, wo im Alltag Kosten optimiert werden können. Ansatzpunkte gibt es viele: Miete, Verträge oder alltägliche kleine Ausgaben, die sich schnell summieren. Auch die Auseinandersetzung mit der Altersvorsorge oder ein Immobilienerwerb machen eine Auseinandersetzung mit der aktuellen finanziellen Situation nötig. „Wer bewusst Entscheidungen trifft, welche Ausgaben er für wichtig hält, dem fällt es auch leichter, sich an anderer Stelle einzuschränken und zu sparen“, sagt Peters.

 

 

 

 

 

 

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„Ein Mann ist keine Geldanlage“

In einem Artikel der Frankfurter Rundschau zum Thema Vermögensaufbau für Frauen spricht Dr. Sally Peters vom iff über zielgruppenorienterte Ansprache als Notwendigkeit in einer männerdomierten Welt der Finanzprodukte und Risiken mit unseriösen Vermittlern.

Vereinzelte Anbieter halten bereits seit Jahrzehnten spezielle Angebote für Frauen vor, diese erreichen aber derzeit nur einen Bruchteil der Frauen. Immer mehr Anbieter entdecken das Potenzial und die Notwendigkeit eines spezifischen Angebots für Frauen. Der Blick von Männer und Frauen auf Finanzen nicht grundsätzlich anders. Aber: Die Lebensrealitäten von Frauen und Männer unterscheiden sich (z.B. aufgrund gesellschaftlicher Vorstellungen) häufig noch. „Die Voraussetzungen bei Frauen in Bezug auf Einkommen und Bildung sind leider immer noch andere“, so Peters.

Die Entwicklung zielgruppengerechter Angebote ist grundsätzlich als sehr positiv zu beurteilen. Dennoch sollte immer aufmerksam geprüft werden, welche Interessen die jeweiligen Anbieter verfolgen.

 

 

 

 

 

 

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Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz e.V. – Auflösung abgewendet, neuer Vorstand gewählt

Das Präventionsnetzwerk Finanzkompetenz (PNFK), das aus der Schuldnerberatung entstanden war und sich zu einer wichtigen, deutschlandweit einzigartigen Austauschplattform im Bereich der Finanzkompetenz und finanzieller Bildung entwickelt hat, wird weiter als gemeinnütziger Verein fortbestehen bleiben und geht mit einem deutlich vergrößerten Vorstand in die kommenden beiden Geschäftsjahre. Bei der Mitgliederversammlung am 25.10.2018 wurde der bisherige Vorstand um Marius Stark (Vorsitz), Thomas Raddatz (Stellvertrender Vorsitz) und Franz Thien (Finanzen) um vier Weitere Mitglieder, Birgit Happel, Michael Bauer, Birgit Bürkin, Christiane Heger und Dirk Ulbricht verstärkt. Vor der Mitgliederversammlung am 25.10. war der Fortbestand aufgrund des Fehlens von Vorstandskandidaten fraglich.

Das PNFK hat sich zum Ziel gesetzt, die Finanzkompetenz durch Vernetzung der Akteure, eine Förderung der Zusammenarbeit von Trägern der Bildung und Beratung, der Stärkung der individuellen Fähigkeiten bei der Alltags- und Lebensbewältigung und eine Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen zu fördern und damit einen nachhaltigen Verbraucherschutz und eine faire soziale Marktwirtschaft zu unterstützen.

 

Finanzielle Allgemeinbildung Geflüchteter in Deutschland – eine qualitative Pilotstudie

Ein Mindestmaß an Finanzkompetenz ist Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung von Finanzdienstleistungen, gesellschaftlichen Teilhabe und gelungene Integration. Gefördert von der Wissenschaftsförderung der Sparkassen-Finanzgruppe e.V. und dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. hat das iff eine Pilotstudie zur Finanziellen Allgemeinbildung Geflüchteter in Deutschland durchgeführt. Dabei wurde qualitativ untersucht, welche finanziellen Kompetenzen und Praktiken auf Seiten Geflüchteter vorliegen und welche Bedarfe und Hindernisse für die sinnvolle Nutzung von Finanzdienstleistungen bestehen. Sie konzentriert sich auf in Hamburg lebende Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive aus Syrien, Irak und Eritrea. Feldbeobachtungen, Einzelinterviews und Fokusgruppendiskussionen zeigen, dass die finanzielle Bildung der Befragten gering ausgeprägt ist. Dies erklärt sich vor allem durch mangelnde Praxis sowie sprachliche Barrieren. Bereits in den Heimatländern wurden formelle Finanzdienstleistungen wenig genutzt. Finanzielle Transaktionen und Sparen werden überwiegend bar durchgeführt. Komplexere Finanzprodukte und Versicherungen werden nicht genutzt. Die finanzielle Inklusion der befragten Geflüchteten ist folglich nicht erreicht.

Link zur Studie Finanzielle Allgemeinbildung Geflüchteter_Working Paper 2018

Finanzielle Bildung in Europa

Ein zentraler Grundsatz für seriöse finanzielle Bildung ist der Beutelsbacher Konsens, wie ihn die Kultusministerkonferenz vorgibt:

Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.“

Doch nach Kontroversen wie zwischen öffentlicher und privater Rente sucht man in vielen Angeboten für finanzielle Bildung noch vergeblich. Zugleich sind andere Themen wie Zinsrechnung ohnehin schon lange Kernbestandteil des Mathematikunterrichts in der Sekundarstufe I. – Was aber tut sich sonst in finanzieller Bildung in Europa? Und: Was macht das iff in finanzieller Bildung für Geflüchtete? Link zu ausgewählten Beispielen.