Was wirklich im MSCI World Index steckt

Börse Abschwung

Bürse, Abschwung

dpa Interview zur Homebias bei DAX – Investments

In einem Interview mit der Deutschen Presseagentur (dpa), das am 13.2.2018 unter anderem bei n-tv veröffentlicht wurde, stellt Dirk Ulbricht fest, dass der DAX durchaus eine internationale Risikostreuung darstellt. Die Idee der Risikostreuung ist, dass Anleger nicht alles von der wirtschaftlichen Entwicklung in einem Land abhängig machen. Stattdessen sollten sie vielmehr möglichst global anlegen. Bei einem schlechten Konjukturverlauf in einem Land oder Weltregion, hat man so zumindest noch die Chance von einer besseren konjunkturellen Situation andernorts zu profitieren. In diesem Zusammenhang wird immer wieder  gesagt, ein DAX Investment sei diesbezüglich ungeeignet. Tatsächlich sind aber viele Deutsche Firmen, die im DAX sind, weltweit sehr stark vertreten und verdienen, wie bspw. Volkwagen, einen großen Teil ihrer Gewinne im Ausland. Der MSCI World beinhaltet deutlich mehr Aktien. Er enthält aber zu rund 60 Prozent in US-amerikanische Aktien.

ETFs können gute Renditemotoren für die Altersvorsorge oder Vermögensanlage sein

Das iff empfiehlt für die Altersvorsorge und langfristige Anlagen breite gestreute Fonds, die in Ihrer Zusammensetzung den großen Aktienindizes wie dem MSCI-World, dem Eurostoxx oder dem DAX folgen. Diese sogenannten Exchange Traded Funds, kurz ETF, sind aufgrunddessen, dass sie keine Fondsmanager benötigen, sehr günstig. Zudem gibt es wenige Fondsmanager, die sie über längere Zeiträume schlagen.

 

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Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages zum Thema „Lehren aus der Finanzkrise“ am 10.12.2018

Höchste Zeit für eine Kontrolle des Finanzvertriebs, online und offline

Zusammenfassung: Trotz der Regulierungsbemühungen erhalten viele Verbraucher fehlerhafte, interessengeleitete Beratung bei Anlage- und Kreditentscheidungen. Das schwächt die notwendige private Vorsorge und erhöht das Überschuldungsrisiko, immer mehr Menschen werden abgehängt. Notwendig ist eine Marktaufsicht des Finanzvertriebs, online und offline. Um wirklich relevante Themen anzugehen, muss sich diese Aufsicht auf noch zu erstellende Datenerhebungen über die Struktur und Entwicklung des Verbraucherfinanzsektors stützen.

Trotz aller Bemühungen, den Finanzmarkt zu regulieren, ist ein Kernproblem geblieben. Es wird nicht ausreichend kontrolliert, wie den Verbrauchern Finanzprodukte verkauft werden. Das betrifft sowohl den Offline- als auch den Online-Vertrieb. In beiden Fällen weiß der Kunde aufgrund der Komplexität von Finanzprodukten häufig nicht, was eine gute Beratung überhaupt ausmacht und auf was er achten muss.[1] Das schafft ein erhebliches Informationsungleichgewicht zu Lasten des Verbrauchers. Er ist auf die Unabhängigkeit und Objektivität des Beraters bzw. Online-Portals angewiesen. Die Firmen, die Finanzprodukte vertreiben, haben aber eine Gewinnerzielungsabsicht, die im offensichtlichen Widerspruch zur notwendigen Neutralität bei der Beratung steht.

Auch nach der Lehmann-Pleite werden Anleger regelmäßig, wie zuletzt bei P&R, geprellt und offensichtlich falsch beraten.[2] Schlimmer aber noch wiegen die Mängel in der Kreditberatung, bei der nicht selten unnötige Koppelprodukte wie Restschuldversicherungen die monatliche Belastung, gerade von finanziell verwundbaren Haushalten, erhöhen und eine Rückführung erschweren.[3] Sogenannte Nullprozentfinanzierungen, bspw. von Einrichtungsgegenständen und Elektronikartikeln führen junge, unerfahrene Verbraucher aufs Glatteis. Der schnelle, immer häufiger medienbruchlose, Abschluss von Finanzdienstleistungen tut sein Übriges. Die „digitale Beratung“, die bequem und zügig von statten gehen soll, ist häufig lückenhaft und letztlich riskant für Verbraucher.

So wundert es wenig, dass es trotz eines langanhaltenden konjunkturellen Aufschwungs immer mehr Überschuldete in Deutschland gibt, mittlerweile sind laut Creditreform-Daten sieben Millionen Erwachsene in dieser Situation.[4] Das wiegt umso schwerer, als dass der Weg aus den Schulden in Deutschland so mühsam ist wie in kaum einem anderen Land. In der überwiegenden Zahl dauert es sechs Jahre Wohlverhaltenszeit, bis Überschuldete nach einem Restschuldbefreiungsverfahren wieder vollständig am Waren- und Dienstleistungsverkehr teilnehmen können. Die Verkürzungsmöglichkeiten auf fünf bzw. drei Jahre setzen Eigenmittel voraus, die Überschuldete gerade nicht haben. Leider nehmen immer weniger Überschuldete die Restschuldbefreiung, das sehr starke wirtschaftliche Einschränkungen mit sich bringt, überhaupt erst auf sich. Seitdem das Pfändungsschutzkonto die Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr auch in der Überschuldung ermöglicht, haben sich viele Betroffene dauerhaft mit ihrer Situation abgefunden und ihre finanzielle Zukunft abgeschrieben. Damit sind sie aber von einer vollen gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen, die eine wirtschaftliche Teilhabe voraussetzt. Das birgt auch den Nährboden für zukünftige Ausgrenzung. Verhältnismäßig häufig handelt es sich bei den Überschuldeten um Familien mit Kindern, insbesondere alleinerziehenden Müttern.[5] Die Chancen von Kindern hängen nicht zuletzt von den Möglichkeiten ab, die ihnen ihre Eltern bieten können.[6]

Verkauf ist nicht bloße Informationsaufnahme und -weitergabe. Nicht nur auf dem Gebrauchtwagenmarkt werden alle Register gezogen. Ja, der Informationsaustausch, allerdings in beiden Richtungen, steht am Anfang einer bedürfnisorientierten Beratung. Im persönlichen Gespräch sollte es idealerweise vor allem darum gehen, das passende Produkt für den Kunden zu finden. Am Anfang einer solchen Beratung sollte daher die gründliche Erfassung der für diesen Zweck notwendigen Informationen stehen. Auf der anderen Seite sollte der Kunde die wesentlichen Informationen erhalten und erläutert sowie die Alternativen erklärt bekommen, um eine informierte Entscheidung treffen zu können.

Was ist aber, wenn der Berater wichtige Informationen weglässt und anderen, werblichen Informationen ein größeres Gewicht im Gespräch einräumt? Was, wenn der Abschluss eines Produkts mit Druck oder Zwang daran geknüpft wird, ein anderes, nicht gewünschtes Produkt zusätzlich abzuschließen? Dabei gehen Berater teilweise auch darüber hinweg, dass der Kunde bereits ein Produkt abgeschlossen hat, das dem selben Zweck dient.[7] Was, wenn die Risikoanalyse kleingehalten wird, weil im Zweifel nur der Kunde die Folgen davon zu tragen hat? Regulierung ist nur so gut, wie ihre Ansprache im Verkaufsgespräch. Ein Berater kann, wenn er möchte, wichtige Informationspflichten als überflüssige „EU-Banane“ abtun, der man eben pflichtschuldig Genüge leisten müsse. Die Verträge und schriftlichen Dokumentationen geben nicht notwendigerweise wieder, wie sie zu Stande gekommen sind.

Beim Onlinevertrieb nimmt die Einflussnahme andere Formen an, vom Ergebnis her ist sie aber im Wesentlichen gleich. Hier spielt die Art der Darstellung eine wesentliche Rolle. So kann schon der einfache Umstand, dass das Auge aufgrund des Leseflusses oben links im Bildschirm angeordnete Informationen zuerst wahrnimmt, bereits die Aufmerksamkeit auf oder von einer bestimmten Information weglenken. Auch sind Informationen, die erst über mehrere Schritte zugänglich sind, für viele Kunden effektiv nicht vorhanden. Selbst die „Honorarberater“ des Internets, die Vergleichsportale, haben sich hinsichtlich der Transparenz und Objektivität als Wolf im Schafspelz erwiesen.[8]

Wer aber schützt die Verbraucher, die in der Regel nicht erkennen, wenn sie schlecht beraten oder gar betrogen werden? Zudem sind verwundbare Verbraucher oft froh, überhaupt einen Kredit zu erhalten und befinden sich in einer Position der Schwäche. Sie sind es, die häufig das nehmen müssen, was sie angeboten bekommen. Die Produkte selbst zu testen, greift zu kurz. Entscheidend ist, ob das Produkt zum Kunden passt. Abwarten, bis Missstände häufig genug bei Verbraucherschützern, Ombudsleuten oder letzten Endes bei Schuldenberatungen auftauchen, lässt viele Verbraucher unnötig Opfer schlechter Beratung werden. Um sie vor vermeidbaren finanziellen Notlagen zu schützen, bedarf es einer Offensichtlichkeit, die es in anderen Bereichen des Verbraucherschutzes, wie dem Lebensmittelbereich, längst gibt: Regelmäßige Kontrollen.

Aufsichtsbehörden dürfen sich nicht damit zufriedengeben, dass die Verbraucher Fehlentwicklungen an sie herantragen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die den Vertrieb, online wie offline, regelmäßig untersuchen. Dabei sollten die Behörden sich vor allem auf die Produkte konzentrieren, die häufig vertrieben werden und auch das Aufkommen neuer Produkte frühzeitig begleiten. Das setzt voraus, dass die statistischen Daten über Finanzprodukte, die an Verbraucher vertrieben werden, vollständiger erhoben, transparenter aufbereitet und auch der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Häufig genug ist unklar, wie genau sich die Vertriebszahlen offensichtlich millionenfach vertriebener Finanzdienstleistungsprodukte, wie bspw. die der Restschuldversicherungen, entwickeln geschweige denn wie die Marktstruktur ist oder was konkret vertrieben wird.[9] Ohne Daten aber, ist eine sinnvolle Vertriebskontrolle nicht möglich. Eine sinnvolle Aufsicht muss sich auf die relevanten Produkte konzentrieren.

Dr. Dirk Ulbricht

 

  1. Siehe den „Weltbildungsbericht 2019“ der UNESCO, https://www.unesco.de/sites/default/files/2018-11/Deutsche%20Kurzfassung%20GEMR%202019%20-%20FINAL.pdf.
  2. Siehe, z.B., https://www.finanzwende.de/themen/pr-skandal/ für weitere Informationen.
  3. Von Seiten der Verbraucherzentrale wurde auch festgestellt, dass sie regelmäßig ohne Bedarfsprüfung verkauft werden. So werden bestehende Versicherungen ignoriert und mit den Restschuldversicherungen doppelt, d.h., überversichert. Siehe „Missstände bei der Restkreditversicherung“, Verbraucherzentrale Sachsen und Verbraucherzentrale Hessen, 2015: http://www.verbraucher.de/restkreditversicherungen-bericht-2015, Abruf: 15.5.2017.
  4. „SchuldnerAtlas Deutschland 2018“, Creditreform. https://www.creditreform.de/aktuelles/wirtschaftsforschung/schuldneratlas-deutschland.html
  5. Peters und Ulbricht, 2018, „Iff Überschuldungsreport 2018“, institut für finanzdienstleistungen, Hamburg. https://www.iff-hamburg.de/wp-content/uploads/2018/11/%C3%9Cberschuldungsreport-2018.pdf.
  6. „Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung“, 2018, Deutsche Bundesregierung, https://www.armuts-und-reichtumsbericht.de/SharedDocs/Downloads/Berichte/5-arb-kurzfassung.pdf;jsessionid=488923383F0E42EF851C275D7D3C463C?__blob=publicationFile&v=4.
  7. Siehe Fußnote 4.
  8. Vergl. Studie zur Bewertung des Rankings von Vergleichsportalen in Bezug auf Finanzdienstleistungsprodukte | Institut für Finanzdienstleistungen im Auftrag des vzbv, 2017,, https://www.vzbv.de/pressemitteilung/studie-zu-finanzvergleichsportalen-unter-falscher-flagge.
  9. Ulbricht, Dirk, 2017, „Effizienter Verbraucherschutz muss sich auf wichtige Themen konzentrieren“, https://www.iff-hamburg.de/2017/06/26/news-49149/.

Ist ihr Name schuld? Commerzbank schickt Kundin in die Wüste – die hat bösen Verdacht

In einem Artikel vom 06.12.2018 schildert die Mopo den Fall der Hamburger Geschäftsfrau Iris Motamed-Amini (52), der die Commerzbank von einen Tag auf den anderen ohne Angabe von Gründen das Konto, die Depots und die Vermögensverwaltung kündigte. Dazu äußern will sich die Commerzbank nicht. Frau Motamed-Amini hegt den Verdacht, dass ihre iranischen Wurzeln der Grund sein könnten. Dirk Ulbricht vom iff weiß, dass Sie damit kein Einzelfall ist und auch Menschen anderer Nationalitäten die Konten von Großbanken gekündigt wurden – so wie Jemeniten und Syrer. Weiter nennt er es ein offenes Geheimnis, dass sich dahinter die Sorge der Banken verberge, Schwierigkeiten mit den amerikanischen Behörden zu bekommen.

Blackbox Schufa: Warum ist ihr Einfluß so groß und was kann der Verbraucher tun?

Über das undurchsichtige Geschäftsmodell der Schufa berichtete Dirk Ulbricht am 29. November 2018, 18:08 Uhr in einem Interview auf Deutschlandfunk Kultur in der Sendung Studio 9. Oft sind die Gründe für Negativbewertungen der einzelnen Verbraucher für diese nicht ersichtlich und lassen nur Vermutungen zu, haben aber teilweise weitreichende Konsequenzen. Die Schufa erhebe zu wenige Daten um ein realistisches Scoring abzubilden, nennt Dirk Ulbricht als eines der Kernprobleme und fordert Regulierungen.

Diese Regeln helfen beim Sparen

In einem Artikel der dpa, erschienen u.a. am 13.11.2018 in der Neuen Presse, geben Finanzexperten, darunter auch Dirk Ulbricht vom iff e.V. Geldanlegern Tipps zum Thema Sparen.

Zum allgemein bekannte Dreieck der Geldanlage (Sicherheit, Verfügbarkeit, Rendite) werden Vor- und Nachteile erörtert. Geht es in erster Linie darum, einen Notgroschen richtig anzulegen und somit Sicherheit und Verfügbarkeit einen gleichgroßen Stellenwert bei der Geldanlage einnehmen, sind laut Dirk Ulbricht inländische Geldmarktfonds zu empfehlen.

Wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht, rät er zu breit gestreuten ETFs (Exchange Traded Funds). Rendite ohne Risiko sei schwer zu machen.

Floskeln der Finanzberatung richtig deuten

In einem Medienbeitrag gegenüber der dpa gibt Dirk Ulbricht Tipps zu Floskeln in der Finanzdienstleistungsbranche. Der Artikel ist in der Frankfurter Rundschau am 14.11.2018 erschienen.Sprüche in der Finanzdienstleistung,

Den Tipp, eine größere Geldanlage zu splitten und über einen längeren Zeitraum in Teilbeträgen zu investieren (Cost Average Effekt zu nutzen), um den Durchschnittskurs zu verbessern, hält Dirk Ulbricht vom institut für finanzdienstleistungen für „weit verbreiteten Unsinn“. Es bringt nachweislich keine wesentlichen Vorteile beim Vermögensaufbau. Auf lange Sicht sollte man daher alles sofort anlegen.

Mietsteigerungen treffen überschuldete Haushalte besonders hart

PlattenbauDie AFP berichtet in Ihrem im Täglichen Anzeiger zuerst veröffentlichten Artikel über den Überschuldungsreport 2018 des iff. Hier geht es zum Online-Artikel. Im aktuellen Überschuldungsreport werden die Daten von jährlich rund 10.000 Überschuldeten Personen nach den Überschuldungsauslösern, der Einkommenssituation, den Schulden, den Gläubigern und Haushaltscharakteristika ausgewertet.

In diesem Jahr wurde unter anderem festgestellt, dass rund ein Viertel der Überschuldeten mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnungskosten ausgeben. Zudem weitet sich die Lücke zwischen den Überschuldeten und den Menschen, die nicht als arm in den Bevölkerung gelten. Ihr Einkommen liegt regelmäßig ein Fünftel unterhalb der Armutsschwelle. Die Armutsschwelle liegt bei 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen, 2016: 1.064 Euro).

Der Überschuldungsreport findet sich hier.

Mietsteigerungen treffen überschuldete Haushalte besonders hart

PlattenbauDie AFP berichtet in Ihrem im Täglichen Anzeiger zuerst veröffentlichten Artikel über den Überschuldungsreport 2018 des iff. Hier geht es zum Online-Artikel. Im aktuellen Überschuldungsreport werden die Daten von jährlich rund 10.000 Überschuldeten Personen nach den Überschuldungsauslösern, der Einkommenssituation, den Schulden, den Gläubigern und Haushaltscharakteristika ausgewertet.

In diesem Jahr wurde unter anderem festgestellt, dass rund ein Viertel der Überschuldeten mehr als 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnungskosten ausgeben. Zudem weitet sich die Lücke zwischen den Überschuldeten und den Menschen, die nicht als arm in den Bevölkerung gelten. Ihr Einkommen liegt regelmäßig ein Fünftel unterhalb der Armutsschwelle. Die Armutsschwelle liegt bei 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen, 2016: 1.064 Euro).

Der Überschuldungsreport findet sich hier.

Wohnkostenexplosion in Ballungszentren trifft Überschuldete besonders hart

Aktueller iff-Überschuldungsreport zeigt, viele Überschuldete geben mehr als die Hälfte fürs Wohnen aus; Einkommen sind ein Fünftel unterhalb der Armutsschwelle

Hamburg, 09.11.2018 – Der iff-Überschuldungsreport 2018, der die Situation von ca. 10.000 Haushalten jährlich berücksichtigt, zeigt: Ein Fünftel der Überschuldeten müssen mehr als die Hälfte für Wohnkosten ausgeben. „Mietsteigerungen treffen sie aufgrund ihrer niedrigen Einkommen besonders hart“, sagt Dr. Dirk Ulbricht, Direktor des gemeinnützigen Instituts für Finanzdienstleistungen (iff). Ihr Einkommen liegt ein Fünftel unterhalb der Armutsschwelle. Der beste Weg aus Armut und Überschuldung wäre eine auskömmliche Beschäftigung, das bleibt für die meisten aber nur ein Traum. „Die Hälfte der Überschuldeten ist arbeitslos, das trotz des Wirtschaftsaufschwungs der letzten Jahre“, führt Ulbricht weiter aus.

So wundert es nicht, dass die Gruppe der Überschuldeten seit Jahren wächst, im Jahr 2017 waren in Deutschland rund 7 Millionen erwachsene Menschen betroffen. „Die Ausgrenzung erstreckt sich auch auf die in überschuldeten Haushalten überproportional häufig lebenden Kinder“, so Ulbricht. Aufgrund des niedrigen Einkommens sind Überschuldete besonders stark von dem Anstieg der Wohnkosten in den Stadtzentren deutscher Großstädte wie Berlin, München oder Hamburg gefährdet. Einkommensarme und insbesondere auch überschuldete Menschen werden zunehmend in immer weiter von den Zentren entfernte Randlagen gedrängt. Das erhöht die Hürde, durch Aufnahme einer Arbeit aus eigener Kraft die Schulden zurückzuzahlen.

Einkommen der Überschuldeten liegt ein Fünftel unter der Armutsschwelle

In dem vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen e.V. (iff) und der Stiftung „Deutschland im Plus“ vorgestellten Report werden neben allgemeinen Entwicklungen in Bezug auf Überschuldung auch die Entwicklung der Einkommen beleuchtet.

Entsprechend der gängigen Armutsdefinition, nach der als stark armutsgefährdet gilt, wer nicht mehr als 60 Prozent des Medians des in der Bevölkerung gemessenen Äquivalenzeinkommens erzielt, gelten angesichts einer Armutsschwelle in Höhe von 1.064 Euro im Jahr 2016  etwa zwei Drittel der Ratsuchenden als einkommensarm. Zwar ist das Pro-Kopf-Einkommen der Ratsuchenden zwischen 2008 und 2017 von 770 Euro auf 880 gestiegen. Dieser rund 14 prozentige Anstieg hat aber nur zu einem kleinen Teil eine tatsächliche Verbesserung der Lebenssituation mit sich gebracht. Betrachtet man den um die allgemeine Preisentwicklung bereinigten Verlauf, ergibt sich lediglich ein Anstieg von drei Prozent. Zudem stellt sich der leichte Anstieg von 2016 auf 2017 preisbereinigt als Abnahme des Pro-Kopf-Einkommens um sieben Euro heraus.

Die wichtigsten Überschuldungsauslöser

Betroffene geraten in der überwiegenden Zahl der Fälle ohne ihr eigenes Zutun in die Überschuldung. Arbeitslosigkeit und reduzierte Arbeit machen zusammen 26,4 Prozent der angegebenen Überschuldungsursachen aus. 2011 lag der Wert bei fast dem gleichen Wert, die Bedeutung dieses Auslösers hat somit trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und des damit verbundenen Beschäftigungszuwachses nicht an Bedeutung verloren. Einkommensarmut, der zweitwichtigste Auslöser, war über die letzten Jahre immer häufiger genannt worden, zuletzt war sie allerdings auf 10,4 Prozent zurückgegangen. Krankheit (9,9 Prozent) wird ein immer bedeutenderer Faktor. Scheidung oder Trennung (9,5 Prozent) hingegen verlieren in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung, ebenso wie Konsumverhalten (8,7 Prozent) und gescheiterte Selbstständigkeit (8,1 Prozent).

Das iff und der Überschuldungsreport

Das gemeinnützige Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (iff) forscht seit rund 30 Jahren unter anderem im Auftrag von Verbraucherzentralen, Bundesministerien und Europäischem Parlament und Kommission zu nachhaltigen Finanzdienstleistung im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.

Seit 2006 erstellt das iff den jährlich erscheinenden iff-Überschuldungsreport, der auf einer detaillierten Auswertung von Haushalten basiert, die eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen. Der diesjährige iff-Überschuldungsreport beruht auf einer weiter vergrößerten Datenbasis von mehr als 110.000 Haushalten in ganz Deutschland. Ausgewertet wurden die anonymisierten Daten von 39 Beratungsstellen in allen 16 Bundesländern. Die Ergebnisse bilden damit ein belastbares Bild zur Lage der Ratsuchenden von Schuldnerberatungsstellen ab und schaffen Transparenz für die Ab- und Herleitung praktikabler Handlungsempfehlungen.

Der vollständige Bericht ist im Internet unter http://www.iff-ueberschuldungsreport.de abrufbar.

Ansprechpartner für die Medien:

Für den iff-Überschuldungsreport: Herr Dr. Dirk Ulbricht Tel: 040 / 3096-9110

E-Mail: dirk.ulbricht@iff-hamburg.de

Zu den Aktivitäten der Stiftung „Deutschland im Plus“: Frau Ute Scharnagl Pressesprecherin Tel: 0911 / 5390-1030

E-Mail: info@deutschland-im-plus.de

 

Kassensturz zum Weltspartag

In der Frankfurter Rundschau gibt Dirk Ulbricht Tipps zum Weltspartag. Sparen mache auch ohne Zinsen Sinn, wennSparschwein man sich eine Kapitalrücklage von 2-3 Monatsnettogehältern aufbauen möchte. Sichere und liquide Spareinlagen hätten auch in der Vergangenheit – berücksichtigt man die Preisentwicklung – meist eine negative Rendite ergeben. Die Suche nach einer Verbesserung von wenigen Promillepunkten mehr bei der Spareinlage hält er für unnötig, da lohne sich eher die Suche, nach einem günstiger U-Bahn Tarif. Da mit die Chancen für eine kurzfristige Zinswende höher sind, als ein Fortdauern der Niedrigzinsphase, lohne sich insbesondere bei dem niedrigen Zinsniveau keine längerfristige Spareineinlage, bspw. über ein Festgeld. Ulbricht empfiehlt vielmehr die regelmäßige Anlage in einen breit gestreuten Indexfonds, etwa den MSCI World. Den „richtigen“ Startpunkt dafür gebe es nicht. Aber, wer früher einsteigt, erhöht seine Renditechancen. Der vollständige Artikel findet sich hier.