Instant Lending: Der Blitzkredit als Schuldenfalle

In einem Artikel des Handesblattes erläutert Institutsdirektor Dirk Ulbricht die Gefahren bei zu einfacher, automatisierter und dadurch blitzschneller Kreditvergabe, genannt Blitzkredit oder Instant Lending. Die Direktbank ING wird ein solches Produkt im Sommer herausbringen. Hierbei wird der Kreditantrag innerhalb von Sekunden geprüft. Zwischen der Antragstellung und dem Auszahlen liegen nur Minuten. Die Höhe des Kredites kann hierbei zwischen 5.000 und 65.000 Euro betragen, das Vorlegen von Einkommensnachweisen ist nicht nötig. Es erfolgt lediglich eine automatisierte Prüfung des Gehaltskontos und eine Video-Legitimation. Unter anderem bietet auch die Teambank („Easycredit“) Kredite an, die „grundsätzlich in wenigen Sekunden“ zu erhalten sind. Durch einen Blick aufs Konto läuft die Kreditentscheidung automatisch ab. Bekommt man eine Zusage, landet man ebenfalls bei der Video-Legitimation und der darauffolgenden digitalen Signatur. Durch die Kombination von Passwort und einem Sicherheitscode per SMS kann der Kunde den Vertrag digital bestätigen. Spätestens im Herbst soll ebenfalls Instant Payment eingeführt werden.

Aus Verbraucherschutzsicht sieht Dirk Ulbricht diese Verfahren als „hochproblematisch“ an. Dem Verbraucher drohe so leicht eine Überschuldung, gerade jungen Bankkunden. Je schneller der Prozess wird, wird er auch zunehmend gefährlicher. Er sagt: „Junge Leute kennen aus ihrer Lebenswirklichkeit nur den anhaltenden Aufschwung der vergangenen zehn Jahre. Kommt es, wie zu erwarten ist, schon bald zur Rezession, wären sie von Jobverlusten erfahrungsgemäß überproportional betroffen. Unsere Untersuchungen zeigen: Die Kunden, die einen Privatkredit besonders wollen, sollten ihn oft am wenigsten bekommen.“ Die Banken wären die großen Gewinner, da sie oftmals durch Umschuldung und den Verkauf von Restschuldversicherungen gut verdienen.

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Private Altersvorsorge für Selbständige wichtig

In einem dpa-Artikel, spricht Dr. Sally Peters vom iff über die Probleme von Selbständigen bei der Absicherung der späteren Rente. Oft entstehen Lücken durch unsicheren oder wechselnden Einkünften. Auch für pflichtige Selbständige  wie etwa selbstständige Erzieher, Lehrer oder Pflegekräfte führt der Regelbeitrag nur zu einer sehr geringen Rente von ca. 900 €.

Freiberufler in Kammerberufen sind da besser dran: Sie sind in der jeweiligen Kammer pflichtversichert. Es zählen unter anderem Ärzte, Apotheker, Architekten oder Rechtsanwälte dazu. Peters erklärt: „Angehörige dieser Berufe zahlen einkommensabhängige Pflichtbeiträge und bauen damit über die Jahre in der Regel auskömmliche Altersrenten auf“.

Für die meisten Selbständigen ist es jedoch noch keine Pflicht, für das Alter vorzusorgen. Es bleibt Ihnen selbst überlassen, ob sie sich freiwillig versichern oder nicht. Auch darum gibt es viele un- oder unterversicherte unter ihnen. Selbständige, die sich für die gesetzliche Rente entscheiden, haben zur Zeit noch die Wahl sich auf Antrag pflichtzuversichern bzw. sich freiwillig versichern. Wer sich pflichtversichert hat den Vorteil, Riester-Förderung zu erhalten sowie die Beitragszeiten ohne Einschränkungen für die Frührente anrechnen zu können, hat dadurch aber auch weniger Flexibilität. Der Antrag kann bspw. nur innerhalb der ersten fünf Jahre einer Selbständigkeit gestellt werden. Außerdem sind die Beiträge nicht variabel, man zahlt entweder 18,6% des Einkommens bzw. den Regelbeitrag ein. Entscheidet sich der Selbständige für die freiwilligen Beitragsleistungen in die Rentenkasse, entfällt der Anspruch auf Rieser-Förderung. Im Gegenzug aber hat der Versicherte mehr Freiraum, es kann zwischen einen MIndest- und Höchstbetrag gewählt werden. Sollte es mal knapp mti dem Geld werden, kann man die freiwillige Versicherung auch beenden.

Eine weitere staatlich geförderte Möglichkeit ist die Rürup-Rente, die meist in einer meist in klassischen oder fondsgebundenen Form angeboten wird. Sie ist dazu mit 88% von der Steuer absetzbar, was sie für gut verdienende Selbständige interessant macht, ebenso wie die Möglichkeit, erheblich höhere Beiträge einzuzahlen.

Der Artikel erschien unter anderem Weserkurier und auf ihre-vorsorge.de.

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In die Schuldenfalle durch Kreditaufnahme, oft aufgrund fehlender Beratung

 

In einem Artikel der dpa erläutert Dirk Ulbricht vom iff, wieso selbst ein kleiner Kreditaufnahmen zur Überschuldung führen können. Vor allem durch fehlende Beratung seitens der Kreditgeber, Information nur mit Halbwahrheiten und intransparente Kreditbedingungen können Verbrauchen schnell unverschuldet in die Schuldenfalle getrieben werden. Lockangebote mit vermeintlich niedrigen Zinsen sich schnell als Ballonfinanzierung entpuppen, die günstigere Raten als ein üblicher Kredit versprechen, wo jedoch nach der Laufzeit noch eine relativ hohe Restschuld aussteht, die der Kunde auf einen Schlag tilgen muss. Dieses Vorgehen ist bspw. bei Autofinanzierungen besonders beliebt. Risiken wie etwa ein Unfall oder der Wertverlust durch die Nutzung des Autos werden meist nicht mal angesprochen. Häufig entstehen dann noch zusätzliche, unvorhergesehene Kosten durch zusätzliche Verträge wie Restschuldversicherungen, Lebens- oder Unfallversicherungen etc., die z.T. nicht abwählbar und Bedingung für die Kreditaufnahme sind. Dabei fällt jedoch die komplette Versicherungsprämie gleich zu Beginn an. Regelmäßig wird diese auch zusätzlich zur Darlehenssumme finanziert. Diese Kosten müssen von der Bank aber nicht in den Effektivzins eingerechnet werden, sofern der Abschluss „freiwillig“ war. Daher geben sich die Versicherer viel Mühe, die Vertragsunterlagen möglichst komplex und undurchsichtig zu gestalten. So stellen die Kreditnehmer viel zu spät fest, wieviel Schuldsumme sie tatsächlich abzuzahlen haben. Besonders die beliebten Null-Prozent-Finanzierungen und Darlehen mit niedrigeren Schuldsummen werden so oft ein Einstieg in die Schuldenspirale. Wenn die Raten nicht mehr getilgt werden können, kommt oft nur noch eine Umschuldunge oder Aufstockung des Kredites in Frage, die Banken auch aktiv fördern, z.T. durch regelmäßige Angebote an die Kunden herantreten und so den Schuldzeitraum verlängern und die Schuld erhöhen. Man redet hier von sogenannten Kettenkrediten und bittet meist erneute teure Restschuldversicherungen an.

Lesen Sie den gesamten Artikel im Weser-Kurier oder auf Merkur.de.

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Dirk Ulbricht gibt Tipps in der Welt zur Vermeidung einer Überschuldung

Dirk Ulbricht, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen, gibt in der Welt vom 15.04.2019 in der Rubrik Finanzen Kompakt Tipps zur Vermeidung von Überschuldung. Wer seine erste Finanzierung bei Händlern abschließt, erhöht das Risiko in eine Schuldenspirale zu geraten. Die mentale Hürde zur Bereitschaft sich zu verschulden sinkt so und führt zu einer erhöhten Risikobereitschaft weitere Darlehen bei Banken aufzunehmen. „Oft stellen die Kreditnehmer viel zu spät fest, dass sie zu viele Schulden aufgenommen haben“, sagt Dirk Ulbricht und rät „Wer ein Darlehen haben möchte, muss vorher selbst durchrechnen, welche Raten und welche Kreditsumme er sich leisten kann. Denn der Berater wird es nicht tun.“ Ulbricht empfiehlt vorsorglich, einen Notgroschen in Höhe von zwei bis drei Gehältern anzusparen, um zu verhindern, in eine Schuldenfalle zu geraten.

Hier geht’s zum Artikel

 

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Kritik von Dirk Ulbricht an Crowdinvesting bei Anhörung im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages

Bei der öffentliche Anhörung zu dem Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Gesetzes zur weiteren Ausführung der EU-Prospektverordnung und zur Änderung von Finanzmarktgesetzen“ am 08.04.2019 im Finanzausschuss des Bundestages äußerte sich der Direktor des iff, Dr. Dirk Ulbrichtt kritisch zu Crowdinvesting. Es sei riskant, dass sich dabei hauptsächlich auf die ohnehin überhitzte Immobilienbranche konzentriert werde, anstatt neue Unternehmensideen zu finanzieren.

Hier finden Sie die gesamte Stellungnahme.

Dirk Ulbricht merkt darin kritisch an, dass eben jene Teile von Immobilienprojekten an Privatanleger verkauft werden, die von professionellen Investoren aufgrund ihrer Risiken gemieden würden.

Auf der Seite FONDS professional finden Sie ein Artikel dazu.

 

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Crowdfunding – riskant und ohne klaren Zweck

In der gestrigen Finanzausschusssitzung wurden Experten zu Änderungsbedarf des gesetzlichen Rahmens für Crowdinvesting gehört. Zwei davon erläutern, warum sie eine weitere Lockerung des Verbraucherschutzes ablehnen.

Von Peter Mattil und Dirk Ulbricht

Die gesetzlichen Regelungen bezüglich Crowdinvesting sollen geändert werden. Dazu wurden am Montag, den 9.4.2019 Sachverständige vom Finanzausschuss gehört. Zwei davon, RA Dr. Peter Mattil und Dr. Dirk Ulbricht begründen im Folgenden, warum sie eine weitere Lockerung des Verbraucherschutzes ablehnen. Crowdfunding fördert nur in den seltensten Fällen innovative Geschäftsideen. Häufig werden stattdessen spekulative Anlagen als vermeintlich sichere und hoch rentierliche Immobilienanlagen verkauft. Irrsinnigerweise sind auch Informationen für Anleger ausschließlich Englisch möglich. Das erhöht unnötigerweise die Kosten im Streitfall und schafft zusätzlich Unsicherheit. Insgesamt bleibt aber auch festzustellen: Statt sich mit dieser Nischenbranche zu beschäftigen, besteht weitaus größerer Handlungsbedarf hinsichtlich einer deutlich häufigeren Ausnahmeregelung im Bankenbereich. Dort werden hoch riskante Bankpapiere ohne erkennbaren Grund von der Prospektpflicht ausgenommen.

Die Ziele und Zugang

Beim Crowdfunding sammeln Projektentwickler einfach und schnell ohne Vermittler Geld für Ihre Ideen über Internetplattformen. Das soll insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) und Start-Ups mit innovativen Ideen fördern helfen. Sie werden als Keimzelle der wirtschaftlichen und technologischen Transformation angesehen. Dort sollen die europäischen Unicorns, d.h. Technologieunternehmen mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde, entstehen.

Was soll geschehen

Die Prospekthaftpflicht soll reformiert werden. Die deutsche Crowdfunding Entwicklung geht der Branche nicht schnell genug. Unsinnige gesetzliche Hürden und Beschränkungen stünden im Wege. Um das zu ändern sollen die Höchstanlage für Einzelanlagen von derzeit 1.000 Euro und bei Selbstauskunft auf 10.000 Euro erhöht werden. Damit sollen mehr Mittel von Verbrauchern eingeworben werden können.

Anlageprospekte

Außerdem soll es einfacher werden, ohne die Erstellung eines teuren Prospektes nach Wertpapierhandelsgesetz Crowdfunding Anlagen anzubieten. Dazu soll die Ausnahmeregelung, die derzeit für Crowdfunding-Projekte herrscht, von 2,5 Mio. Emissionsvolumen auf bis zu 8 Mio. Euro angehoben werden. Statt des Prospekts soll eine kurze Wertpapierinformationsbroschüre (WIB) als Grundlage für die Information der Anleger dienen.

Der Anleger soll auch Anteilseigner seien dürfen

Schließlich soll Crowdfunding auch als Anteilseigener und nicht nur in Form eines (partiarischen) Darlehens möglich sein. So wird verhindert, dass der Investor vollständig an den Gewinnen teilnehmen kann. Das ist ohnehin eine deutsche und, von der deutschen Lösung geprägte, österreichische Sonderlocke.

Crowdfunding ist nicht schützenswert

Tatsächlich aber ist die Branche gerade dabei, Geld für den bereits stark überhitzten Immobilienmarkt einzusammeln. Laut der 2017 erschienen Evaluierung der Bundesregierung gehen 2/3 der Anlagen in diesen Bereich. Geld, das riskant angelegt ist. Der Immobilienmarkt gilt nicht nur der Bundesbank als überhitzt. Zudem ist die Rechtsform, die am häufigsten zum Einsatz kommt, das Nachrangdarlehen, denkbar schlecht. Im Falle einer Insolvenz werden die Besitzer die Crowdfunding Anleger erst nach allen anderen Gläubigern bedient. Da bleibt wahrscheinlich nicht viel übrig. Zudem haben sie kaum ein Mitsprache- und Informationsrecht.

Niemand braucht diese Branche

In der jetzigen Gestalt ist die Branche unnötig. Auch in den USA, dem Heimatland der Unicorns ist kaum eines dieser Tiere durch Crowdfunding entstanden. Die Mär, dass es lediglich an der „künstlichen“ Hürde von 2,5 Mio. Euro liegt, bis zu der ein teurer Prospekt vermieden werden kann, ist Quatsch. Zum einen zeigt auch hier besagte Evaluation, dass kaum ein Projekt sich an dieser Grenze befindet. Zum anderen ist auch nicht klar, welche besonderen, bisher nicht erfüllten Investitionsmöglichkeiten erschlossen werden sollten. Ist es doch so, dass sie klein, aber nicht zu klein, groß aber nicht zu groß für die Prospektpflicht sein müssen.

Aus Anlegersicht besteht ein erhebliches Potential für Irreführung

Ein großer Teil der Branche zielt auf Immobilienprojekte ab. Dabei gilt aber mitnichten, dass es sich um eine solide Anlage in Grund und Boden handelt. Schließlich werden die Anleger eben gerade keine Grundstücksbesitzer, sondern leihen lediglich Gelder für andere, die darin investieren. Diese und nicht die Anleger haben die Sicherheit über die Immobilen. Leicht kann man aber auf den Gedanken kommen, wenn man auf die Seiten schaut. Ein beredtes Beispiel dafür ist Zinsland.de. Dass es bisher nur zu einem Ausfall gekommen ist, ist nur ein bescheidenes Trostpflaster. Bei dem Immobilienmarkt wäre alles andere eine Überraschung. Man mag sich nicht vorstellen, wie groß das Geschrei ist, wenn es in die andere Richtung geht. Und auch hier gilt für den Markt: Was hoch fliegt, kann auch tief fallen.

Rechtsformänderungen machen das eigentliche Problem klar

Warum sollte man nun auch die Rechtsformen öffnen, damit die Anleger auch als Gesellschafter einsteigen können? Dafür gibt es bereits mit gutem Grund hohe Hürden. So muss man, um Gesellschafter einer GmbH zu werden, eben mit gutem Grund beim Notar vorbeischauen. Der klärt einen dann darüber auf, dass es eben nicht so leicht ist, wieder an sein Geld zu kommen. Die GmbH ist nicht für zahlreiche anonyme Anleger geeignet. Dafür gibt es ja die Aktien. Wenn nun der Crowdfunding-Verband fordert, die Informationspflichten und ähnliches zu lockern, gleichzeitig aber die GmbH als Rechtsform für Crowdfunding-Produkte zu zulassen, ist das falsch. Auch wenn es verständlich ist, die eierlegende Wollmilchsau zu fordern. Träumen tun wir alle ab und an.

Es gibt weitaus genug Produkte, über die man Reden muss

Derzeit gibt es bereits genug Produkte, über die man dringend reden muss. Das WPPG und die EU-Prospektverordnung erlauben den Banken, sogenannte Nichtdividendenwerte bis 75 Mio. € jährlich Prospektfrei zu emittieren. Hinter dem Begriff Nichtdividendenwerte verbergen sich alle spekulativen Wertpapiere, wie z.B. Optionsscheine, Genussscheine,  Zertifikate (Berüchtigt: Knock-out, CoCo Bonds, Lehman), die noch immer an Verbraucher im großen Stil verkauft werden.

Warum genießen Banken eine Prospektausnahme für Zockerpapiere?

Warum die Banken ausgerechnet für diese Zockerpapiere eine Prospektausnahme genießen, ist ein Rätsel. Hier muss man nicht nur über eine Prospektpflicht nachdenken, sondern ein Verbot des Verkaufs riskanter Wertpapiere ohne Garantieschutz an Verbraucher. Obwohl auch Garantieprodukte oft nicht halten, was sie versprechen. Da kommen Ausreden, Relativierungen, …

Die Sprachregelung ist zu kritisieren

Die Sprachregelung in der EU-Prospektverordnung ist ebenfalls scharf zu kritisieren. Ein Emittent aus Luxemburg beispielsweise darf den Prospekt in Englisch oder sogar französisch verfassen, wenn er ihn in Deutschland verwendet. Will der Anleger nach einem Verlust klagen, muss er den Prospekt auf eigene Kosten übersetzen lassen. 15000-20000 € für eine Übersetzung sind einzuplanen und der Emittent wird dann vermutlich die Richtigkeit der Übersetzung bestreiten. Der Emittent ist verantwortlich für seinen Prospekt, also auch die Lesbarkeit. Binnenmarkt vor Verbraucherschutz, das darf nicht sein.

Sogenannte Nichtdividenden-Papiere, die von Kreditinstituten angeboten werden, dürfen bis zum Emissionsvolumen von 75 Mio. (!) ohne Prospekt vertrieben werden. Dass es nur an „qualifizierte“ Anleger gehen darf, steht bislang wohl eher auf dem Papier. Diese Produkte, Genussscheine oder Coco-Bonds werden in großer Stückzahl angeboten.

Fazit: Alles lassen, wie es ist

Konkret zu Crowdinvesting gesagt: Es gibt keinen Grund, irgendetwas an den derzeitigen Regelungen zu ändern. Sie haben sich bewährt und Verbraucher haben auch schon so zu viele hochriskante, komplizierte Produkte zur Auswahl, von denen sie die Finger lassen sollten.

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Verleihung „Versicherungskäse 2019“ des BdV erstmals mit Dirk Ulbricht in der Jury

Auch in diesem Jahr verleiht der BdV auf seiner 29. Wissenschaftstagung am 12. April 2019 wieder den Versicherungskäse des Jahres. Der Negativpreis ist inzwischen weit über die Grenzen der Versicherungsbranche bekannt und zeichnet das schlechteste Versicherungsprodukt des Jahres aus um auf Misstände der Branche hinzuweisen. Die drei nominierten Produkte, die aus über 20 eingesendeten Vorschlägen von Verbrauchern, Experten und Journalisten in diesem Jahr ausgewählt wurden heißen:

  • „Prosperity – WohlstandsVorsorge“ – ein Produkt der Liechtenstein Life Assurance AG
  • „Vorsorgekomponente V“ – ein Produkt der Allianz Private Krankenversicherungs-AG
  • „Wetter Bonus“ – ein Produkt der Cardif Allgemeine Versicherung

 

Über den Preisträger entscheidet eine Jury aus vier Verbraucherschützern: Kerstin Becker-Eiselen (Verbraucherzentrale Hamburg), Edda Castelló (Juristin und Verbraucherschützerin), Lars Gatschke (Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.), Barbara Sternberger-Frey (Redaktionsbüro Sternberger-Frey) und erstmals auch Dr. Dirk Ulbricht (Direktor und Senior Researcher am institut für finanzdienstleistungen e.V.).

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Auxmoney and friends – Kredite für alle und jeder darf eine Bank sein?

Crowdlending Platformen bringen Geldgeber und Kreditnehmer ohne Banken zusammen. Was sich gut anhört, ist für keinen von beiden wirklich ratsam.

Neue Anlage- und Kreditchancen, potenziell bessere Konditionen und Bequemlichkeit

Es hört sich erst einmal gut an. Endlich fallen die trägen Banken als Mittler zwischen anlagesuchenden Kapitalgebern und Kreditsuchenden weg. Die Abwicklung ist digital, dementsprechend wenig Verwaltungskosten fallen an. Damit bleibt mehr für beide Seiten: Kreditnehmer und Kreditgeber. Den Kredit kann man sich bequem vom heimischen Sofa aus beantragen und lukrative Investitionsprojekte oder Kreditgesuche als Anlage raussuchen. Für Menschen, die bei Banken keine Chance auf einen Kredit haben, ergeben sich hier plötzlich neue Möglichkeiten. Sie können sich ihre Wünsche erfüllen bzw. ihre Projekte umsetzen. Selbstständige und Menschen mit befristeten Arbeitsverträgen erhalten eine Chance auf einen Kredit.

Schnelle Kreditvergabe erhöht Überschuldungsrisiko

Zu einer nachhaltigen Kreditvergabe gehört aber mehr. Das hat das iff zuletzt in der Studie Faire Kreditvergabe[1] in Deutschland ausführlich dargestellt. Wesentlich ist die Erfassung der Einnahmen und Ausgaben, um den frei verfügbaren Betrag je Monat festzustellen, der für die Kreditraten zur Verfügung steht. Risiken, wie das Ende einer befristeten Tätigkeit, eine Einkommenseinbuße aufgrund der Geburt eines Kindes oder eines Pflegefalls in der Familie, sind ebenfalls zu berücksichtigen. Wer schnell und unüberlegt einen Kredit aufnehmen kann, ohne dass diese Dinge besprochen werden, für den erhöht sich das Überschuldungsrisiko enorm. „Wer schnell handelt, macht auch schnell Fehler“, warnt Dirk Ulbricht in einem aktuellen Artikel in der Süddeutschen.

Überschuldung ist stigmatisiert, in Notlagen wird auf den mündigen Bürger kein Verlass

Wer glaubt, dass es ja schließlich mündige Bürger sind, die man in ihren Entscheidungen durchaus ernst nehmen muss, hat grundsätzlich Recht. Diese Sicht verkennt aber gerade in kritischen Lebenslagen die Situation. Ist ein Bürger kurz vor der Überschuldung, wird er lieber noch einmal nach dem rettenden Strohhalm einer Kreditmöglichkeit greifen als die Konsequenzen einer Überschuldung und Privatinsolvenz zu akzeptieren. Überschuldung ist in Deutschland stigmatisiert. Oft heißt es: Wer überschuldet ist, hat sein Leben nicht im Griff und gilt als selbst Schuld an seiner Misere. Vielfach wird Überschuldung als persönliches Versagen angesehen, dass vor allem auf mangelnde Selbstbeherrschung beim Konsum in Verbindung gebracht wird. Den Betroffenen wird so eine Möglichkeit eröffnet, ihre Überschuldung künstlich hinauszuzögern.

Überschuldungsauslöser sind Schicksalsschläge

Tatsächlich ist Überschuldung meist eine Folge von persönlichen Schicksalsschlägen wie Krankheit, Scheidung, Arbeitslosigkeit oder schlicht Folge eines ohnehin niedrigen Einkommens. Das zeigt auch regelmäßig der Überschuldungsreport[2] des iff. Unkontrollierter Konsum ist tatsächlich einer der nachrangigen Faktoren.

Das Risiko übernimmt der schlecht vorbereitete Anleger

Das Risiko, dass diese Rechnung nicht aufgeht, übernimmt bei Crowdlending letztlich der Anleger. Diesem werden zwar bei Auxmoney Risikoscores zur Verfügung gestellt. Auxmoney basiert diese Scores auf Faktoren, wie der Anzahl der Rechtsschreibfehler im Kreditantrag der potentiellen Kreditnehmer. Das ist clever und hilfreich. Die Scores können und dürfen aber kein Kreditgespräch ersetzen. In einem solchen Gespräch würde ein Kreditexperte nämlich die möglichen Risiken mit dem Kunden abklopfen. Das ist nicht, wie Auxmoney das auf der Internetseite sagt, eine langweiliges bzw. nutzloses Unterfangen. Den Kunden sind viele Risiken gar nicht bewusst, sie können nur auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Die Bank hat da einen größeren Erfahrungsschatz. Letztlich wird das Ausfallrisiko schließlich von den gleichermaßen unerfahrenen Investoren übernommen.

 

 

 

[1] https://www.iff-hamburg.de/2019/02/14/markttest-ratenkredit/

[2] https://www.iff-ueberschuldungsreport.de/

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Stellungnahme „Entwurf eines Gesetzes zur weiteren Ausführung der EU-Prospektverordnung und zur Änderung von Finanzmarktgesetzen“

Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung am 8. April 2019 im Bundestag

Von Dr. Dirk Ulbricht[1]

Zusammenfassung: Der Anlegerschutz sollte bei Crowdinvesting eher weiter ausgebaut als zurückgefahren werden. Es ist aufgrund des Risikos mit Blick auf den Verbraucherschutz nicht nachvollziehbar, warum die Schwelle für die Prospektpflicht für kleinere Projekte angehoben, die Obergrenze für die Investition eines privaten Anlegers über ein Crowdinvesting-Portal pro Emittent bei 10.000 Euro angehoben oder das Angebot auf GmbH Anteile ausgeweitet werden sollte.

Crowdinvesting ist riskant, konzentriert sich auf die ohnehin überhitze Immobilienbranche anstatt neue Unternehmensideen zu finanzieren, und beinhaltet in der Regel erhebliche Nachteile für Verbraucher. Diejenigen Verbraucher, für die vernünftigerweise eine Anlage in ein solches Produkt noch denkbar wäre haben bessere Alternativen. Diejenigen, die sich aufgrund der vermeintlich sicheren Anlage in Beton angesprochen fühlen, sollten sich lieber an weniger riskante, langfristige Alternative wie breit gestreute ETFs halten.[2]

A.          Crowdinvesting – Immobilienanlage für jedermann?

Am Ende einer konjunkturellen Aufschwungsphase werden auch Verbraucher unvorsichtig. In dem Glauben, dass die einmal eingeschlagenen Trends sich endlos fortsetzen, lassen sie die Risiken außer Acht. Der Immobilienmarkt boomt, nicht zuletzt mangels alternativer risikoarmer Anlagen wird versucht, in vermeintlich sichere Immobilien zu investieren. Wo das nicht über ein Eigenheim möglich ist, besteht nun neben Fonds auch die Möglichkeit sich mit Crowdinvesting auf moderne Art an Immobilienprojekten zu beteiligen. Da dies über online Plattformen fast direkt mit dem Fundraiser stattfindet, beteiligt man sich so nun auch richtig an den möglichen Gewinnen.

B.           Anleger wiegen sich in falscher Sicherheit

Das stimmt nicht. In der Regel dürften dort die Teile von Immobilienprojekten verkauft werden, die von professionellen Anbietern aufgrund ihrer Risiken nicht übernommen werden. Dort kommen eben nicht die Filetstücke ins Angebot. Dass Vorsicht geboten ist, sieht man auch vereinzelt schon an gescheiterten Projekten. Bisher sind bereits – trotz überaus günstigem Marktumfeld im Immobiliensektor – 10 Prozent der Projekte ausgefallen.

C.           Die rechtlichen Nachteile sind vielen Anlegern nicht klar

Was viele Anleger nicht wissen – die Anlage hat mit einer Immobilie direkt wenig zu tun – sie werden Anteilseigner bei der Finanzierung und das, ohne wesentliche Mitspracherechte zu haben. Bei der Immobilienfinanzierung handelt es sich meist um Nachrangdarlehen, die bei einer Insolvenz gegenüber anderen Krediten zurückstehen.[3] Bei einer Pleite gehen die Anleger in der Regel leer aus.

D.          Für diejenigen, für die Crowdfunding tatsächlich in Frage kommt, gibt es bessere Alternativen

Wie muss ein Anleger vernünftigerweise beschaffen sein? Es kommen nur Personen in Frage, die auch einen Totalausfall bzw. Nachschuss verkraften können. D.h., entweder bereits Menschen mit verhältnismäßig hohem Einkommen oder Vermögen. Gerade diese Personen haben aber auch die Möglichkeit, besser Anlageformen zu finden.

E.           Die Übrigen sollten ihre knappen finanziellen Ressourcen besser Nutzen – sonst zahlt am Ende der Staat.

Die Übrigen sollten ihre knappen finanziellen Ressourcen dafür verwenden, ihre Risiken wie Berufsunfähigkeit abzusichern bzw. ihre Altersvorsorge zu bedienen. Investieren sie hingegen in Crowdinvesting, tragen langfristig die öffentlichen Haushalte die Folgen der mangelhaften finanziellen Grundvorsorge. Zu diesem Zweck sind nämlich Crowdinvestingangebote sicher nicht geeignet.

F.           Neue unternehmerische Ideen werden kaum gefördert

Da Immobilieninvestments den Großteil der Crowdfunding Möglichkeiten ausmachen, ist auch nicht von einem zusätzlichen direkten Schub für die Wirtschaft auszugehen. D.h., eine Investitionssteigerung in Zukunftsbereiche dürfte eher die Ausnahme bleiben.

[1] Dr. Dirk Ulbricht ist Direktor und Senior Researcher am institut für finanzdienstleistungen e.V. (iff). Er beschäftigt sich mit Finanzdienstleistung und hat dabei einen Fokus auf finanziell verwundbare Verbraucher. Er ist Projektleiter des jährlich erscheinenden Überschuldungsreports, der die Lage überschuldeter Menschen in Deutschland wissenschaftlich analysiert. Er ist Mitglied des Financial Innovation Standing Committee – CWG der ESMA und der Insurance & Reinsurance Stakeholder Group – IRSG der EIOPA. Dirk Ulbricht hat am ifo Institut für Wirtschaftsforschung und der Ludwigs-Maximilians-Universität in München promoviert und am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung unter anderem zur Konjunkturanalyse, Immobilienmärkten und privater Altersvorsorge geforscht. Er hat bei der Allianz als Führungskraft im Innen- und Außendienst gearbeitet. E-Mail: dirk.ulbricht@iff-hamburg.de.

[2] Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist eine passiv gemanagtes Investitionsportfolio dessen Zusammensetzung sich an bestehenden Indizes orientiert und, insofern ein breit aufgestellter Referenzindex gewählt wird, eine kostengünstige Anlage mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis bietet.

[3] https://www.bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/2017/05/Inhalte/Kapitel-3-Analysen/3-4-Evaluierung-Befreiungsvorschriften-Vermoegensanlagengesetz.html.

 

Lesen Sie hier die ganze Stellungnahme: Prospekthaftpflicht Dirk Ulbricht iff 2019-04-03

 

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iff-Überschuldungsschlaglicht 2019/12

Alltägliches Rechnen im Kontext von Überschuldung

12. Schlaglicht der Überschuldung von Katharina Angermeier (HAW Hamburg) und Prof. Dr. Harald Ansen (HAW Hamburg)

In finanziellen Krisensituationen kommt der Fähigkeit zum alltäglichen Rechnen besondere Bedeutung zu. Gleichzeitig wirkt sich eine Krisensituation wie eine Überschuldung folgenreich auf das gewohnte Denken und Handeln aus. Ist das Haushaltseinkommen knapp, muss besonders überlegt gehandelt werden. Katharina Angermeier und Harald Ansen untersuchen, wie Überschuldete mit alltäglichen mathematischen Anforderungen umgehen. Hierzu wurden sowohl mit Ratsuchenden als auch Schuldnerberaterinnen und Schuldnerberatern Interviews geführt. 

Einflussfaktoren liegen dabei vor allem in den Bereichen der Einkommensarmut, also dem Wirtschaften mit begrenzten Haushaltsmitteln, dem sozialen und familiären Umfeld, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gesellschaftlich geprägten Konsumvorstellungen sowie der immer schneller voranschreitenden Digitalisierung und Technik. Ziel des Projekts ist es, aus den Erkenntnissen Empfehlungen für die Beratungsarbeit abzuleiten.

institut für finanzdienstleistungen e. V. (iff)

Das institut für finanzdienstleistungen e. V. (iff) ist ein gemeinnütziges Forschungsinstitut, das seit über 30 Jahren für öffentliche Auftraggeber, Verbraucherverbände und privatwirtschaftliche Unternehmen auf nationaler und internationaler Ebene forscht. Das iff setzt sich seit seiner Gründung für den Zugang zu Finanzdienstleistungen ein und konzentriert sich vor allem auf finanziell verletzliche Verbraucher, insbesondere auf Alleinselbständige sowie überschuldete Verbraucher. Mehr Informationen unter: www.iff-hamburg.de

Überschuldungsschlaglichter

Die Überschuldungsschlaglichter des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Kooperation mit der Stiftung Deutschland im Plus greifen aktuelle Fragestellungen der Überschuldung in Deutschland auf und bieten ausgewiesenen Fachleuten ein Forum.
Die komplette iff Reihe „Schlaglicht der Überschuldung“ finden Sie hier. Angelehnt sind sie an den jährlich erscheinenden iff-Überschuldungsreport

Ansprechpartnerin

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an: Dr. Sally Peters

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